Full text: Anthologie Dada (4/5)

? ! Dada ! ! — Niemand gehört dazu ! ? — 
Dass wir doch dazu gehören, . . . 
Der mangelnde Glaube an jede Zu 
sammengehörigkeit, dem wir Ihrer : „Gesell 
schaftsform .(oh Staat) verdanken — ihrer 
„Gemeinschaft“ ; die uns verpflichtet, sich 
in jeder Form davon zu unterscheiden, war 
das Zwangsmittel zur Bildung dieses mond- 
steinfarbenen Dada — 
Die Verpflichtung, die wir ihnen gegenüber 
damit übernahmen, das Bekenntnis „Zu etwas 
zu gehören“, ist ein Irrtum, den Sie sich 
selbst zu verdanken haben. 
Unsere Gemeinsamkeit, (die Gemeinsamkeit 
nebenbei derer, die sich sauber achten) in 
einer Säure von leicht pathetischer oder 
grauer Verzweiflung . . . echter Haltung, 
liegt ganz ausserhalb der Gruppe, des Mou 
vement der Zeitschrift Dada. Auf der Nach 
stufe einer Weltanschauung ist das Jonglieren 
mit seinen eigenen Gebeinen unter Einschluss 
der Gedärme das geeignete Verständigungs- 
mittel. 
Die Herren da, sind im Schwung da 
. . . Dada . . . Die seelische Verteidigungs 
formel auf Unvorhergesehenes. 
Wir reiten auf den Kurven einer Melodie 
und schwingen wohl beim Uebertakt in 
Ueberschwang breit, lang, gereimt, bang, 
oder auch in Politik (oh schöne Ernsthaftigkeit 
— unvergleichliche Bewunderung Deinem 
' Minenspiel). 
Uinst, Umst (?) ist nicht nur nicht dagewesen, 
es ist auch unmöglich, dass es da ist, Dada 
ist es. Das ist Sterndeuterei und fällt mir 
beim Einschlafen ein. — Oh kompromittiertes 
Dada. Während die Assoziationen durch 
die Gitterstäbe witschen, gelingt uns kein 
Geschäft. (Apotheose auf Dada) 
Nehmen wir das Wunder! Dada? 
Dada! . . . Versuchen wir über jede Um 
kehrung hinweg einen Sprung in die Form, 
komponieren wir aus gut verdaulichem Salat 
Eisenbahnfahrkarten und dem allermomen 
tansten Reflex eine Melodie mit dem ge 
legentlichen Takt aller Zufälle der Seelen 
kreuzungen. 
Bitte wollen Sie Glück? 
Voilà, diesmal aber wirklich, ohne es 
jemandem zu stehlen? Nehmen Sie diese 
Mischung (Salat, Eisenbahn, Reflex — Sie 
wissen ja ! !) 
Wenn Sie statt dessen das Wunder 
wollen sehen wollen? Wir vermieten 
das Wunder. Nur (Pardon) brauchen wir 
andere Voraussetzungen dazu als Ihre 
„Ernsthaftigkeit“! (Applaus) Kein Versehen ! 
Man macht mit „Ernst“ gute Geschäfte, 
Krieg, Kinder und Grausamkeit, was noch? 
Tzara Dada, dressiert das Wunder 
(keine Superiorität, wir auch); nicht, dass er 
es an der Leine hätte. — Da würden sich 
die Wunder wundern — aber er beschmeisst 
alles Un-Wunder mit soviel „Dreckausehr- 
lichgekneteterüberzeugung“, dass dem Wun 
der ein gewisses persönliches Verhältnis zu 
ihm nicht erspart bleibt (oh, eher Wolken- 
pumper). 
Fluch auf Dada. (Wir übermitteln Ihnen 
diese Formel), dass es unserer direkten 
Berührung mit dem Wunder im Wege steht. 
Einen Pfiff lang Unglauben — des Kommen 
den schon geborenen. Serners Kopf als 
Blütenknolte in reifstem Gehirnschoss eines 
Luftballons aus Eiter, den er sich selbst 
aus seiner postlagernd zu erhebenden Ver 
zweiflung abgemolken hat. — Versichern 
Sie sich bei Ihrer Weltanschauungsversiche 
rungsgesellschaft auf Ehrenwort gegen die 
Blague, gegen den Eiter. Sonst wird alles 
aus Ihnen herausbrechen, unmerkbar. 
Lassen Sie mich in der Geste mit der Geste 
die Geste verunglücken, mit der ich mich 
von Ihnen loskribble. 
Kein Verdacht! es sollte etwas gelingen, 
was Ihnen entspräche und Ihnen Stellung 
zu dem erleichterte, was Sie keineswegs 
billigen sollen. 
Billig! so billig hat uns das Schicksal 
gekauft, dass wir mit dem herrlichen Recht 
der Verzinsung rechnen dürfen. (Hollah !) 
Wir werden Ihnen teuer zu stehen kommen. 
HANS RICHTER 
(Diese Mitteilungen wurden dem Publikum 
der 8. Dada-Soirée bereits mündlich gemacht.)
	        
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