Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

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literarischen Gummizelle ausräuchern. Was willst du geistig gegen 
jemanden ausrichcen, der die Waffen der Logik, des Geschmacks 
und der Wahrheit nicht anerkennt? Ob du tobst, ob du lobst, 
ob du fluchst, schimpfst, lachst, Kurtchens Buch an der Wand 
zerkrachst . . . der Dada ist dir über mit seinem Wahnsinns 
lachen. Nimmst du ihn komisch, sagt er: so will ich genommen 
sein. Nimmst du ihn ernst, nickrer tiefsinnig: Ja, abgrundernst 
ist es gemeint. Mensch, ärgere dich also nicht! Denn sonst freut 
sich Kurtchen. Er merzet weiter. 
New York Herald vom 2. 4. 20. 
Im Landtag des Staates New York hat ein Abgeordneter die Ab 
schaffung der Todesstrafe beantragt. Einige New-Yorker Zeitungen 
treten mit einem ungeheuren Aufwand von Pathos für die Vor 
lage ein, andere bekämpfen sie als nicht zeitgemäß und weisen 
auf die erschreckende Zunahme der Kriminalität im ganzen Lande 
hin. Ein besonders unternehmendes Blatt ist schließlich darauf 
verfallen, die Meinung der Leute einzuholen, die in erster Linie 
an der Frage interessiert sind. Mit Genehmigung der zustän 
digen Behörden wurden also die 26 zum Tode verurteilten Mörder, 
die zurzeit im staatlichen Zuchthaus Sing Sing der Vollstreckung 
der Strafe entgegensehen, ersucht, sich über die Todesstrafe zu 
äußern. Überraschenderweise sprachen sich die sämtlichen 26 
Mörder für die Abschaffung der Todesstrafe aus, und zwar be 
tonten sie, daß es im Interesse der Allgemeinheit liege, die darauf 
abzielende Reform des Strafrechts sofort und ohneVerzug durch 
zuführen. Aber damit nicht genug, auch die lebenslängliche 
Zuchthausstrafe müsse abgeschafft werden; sie sei noch un 
menschlicher als die Todesstrafe. Nach ihrer Meinung müßte 
die Höchststrafe für einen vorsätzlichen Mord auf 20 jahre Zucht 
haus festgesetzt werden, mehr sei der beste Mord nicht wert. 
Dieser Mentalitäten-Sammlung 
sei noch hinzugefügt, daß über die Stadt Hannover im Juni 1920 
ein' Taifun amerikanischer Reklame tobte: Eine Woche lang 
knallten von allen Häuser-Wänden, von allen Litfaß-Säulen 
die bekannten „heiligen 10 Gebote“ den Beschauern die 
Netzhäute wund; den Beschauern, denen diese Thesen einiger 
maßen bekannt vorkamen. Und darauf folgte, herrlich gedruckt, 
der Anschlag des nun mittlerweile sattsam bekannten Anna- 
Blume-Gedichtes. (Darunter stand: Dies ist eine Probe aus
	        
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