Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

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Anschlag. Aber eine Menge in unserm Volke lebt, Gott sei es 
geklagt, in einer geistigen Verfassung, die sich ein Denkmal 
gesetzt hat in diesem Plakat. Christentum oder Bolschewismus 
hat man gesagt. Was sich hier an den Anschlagsäulen breit macht, 
ist geistiger Bolschewismijs. Deutscher, sei auf der Hut, daß 
er nicht der Vorbote ist für eine vollständige Auflösung unserer 
Kultur, unseres Staates und unseres nationalen Wollens. Wer 
sein Volk lieb hat, der hilft der Kirche und der Innern Mission 
im Kampfe für die Zehn Gebote auf dem ersten Plakat. Hier 
ist der einzige Damm, der dem Strom des Verderbens Einhalt 
gebieten kann in unserm Volke.“ 
Tja, alles was dem Intellektuellen, dem Bürger, dem kriegslüsternen 
Christen unbequem ist, oder was zu kapieren ihm seine geistige 
Obdachlosigkeit nicht gestattet: wird als „Bolschewismus“gebrand 
markt Vive le Bolchevisme! 
Deutsche Volkszeitung: 
Zeichen der Zeit. 
Uns wird geschrieben: „Als vor etwa 14 Tagen in großen 
Lettern die „heiligen zehn Gebote“ an den Anschlagsäulen zu 
lesen waren, mußte jedem denkenden Menschen klar sein, in 
welcher traurigen Zeit wir leben. War es nötig, diese uralten 
Gesetze der Menschheit dem heutigen Publikum öffentlich 
durch Anschläge entgegenzuhalten? Sicherlich, sonst hätten die 
Männer, die sich dazu berufen fühlten, ganz gewiß Zeit, Geld 
und Papier gespart. Ich glaube auch, daß viele Leser dieser 
Plakate die kurzen, markigen Worte der heiligen Schrift beherzigt 
und weiter darüber nachgedacht haben. Doch mit des Geschickes 
Mächten ist kein ew’ger Bund zu flechten, sagt unser großer 
Dichter, und heute prunkt im krassesten Gegensatz neben den 
schlichten und ernsten Geboten ein gleich großes Plakat an 
den Säulen. „An Anna Blume“ heißt die Überschrift, und es 
folgt alsdann ein Text, der — wie der Verfasser auch selbst 
schreibt — aus mindestens 27 Sinnen entstanden sein muß. Ge 
radezu haarsträubend wirken die Worte dieser Reklame für das 
»schöne“ Buch von Kurt Schwitters. Nach meiner Meinung wäre 
es besser gewesen, der Autor und Verleger hätten hierfür Zeit, Geld 
und Papier gespart. Letzteres hätte für Schulbücher, die wegen 
der großen Papierknappheit kaum herzustellen sind, zweckmäßiger 
Verwendung finden können. Es bedarf keiner weiteren Kritik
	        
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