Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

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T^un war Zeit umrahmt von Mayonnäs, kandierten Früchten, ge- 
backenen Hühnern. Körper entlaust, schwoll in guterWäsche. 
Spiegel warf Bild eines vornehmen Knaben. Jörg hielt Rahels 
Haus für Traumland künftigen Paradieses. Wenn nicht gerade 
schon jetzt Paradies, so doch immerhin Paradiesbett. Wonne 
war’s ihm, täglich gegen Abend zusammen mit Rahel zu baden. 
Sie spielte mit ihm, doch wußte er noch nicht, was es bedeute. 
Nur leicht dämmerte ihm erste Geografie: Halbkugel, Gebirg, 
Bucht, Schlucht, Waldung, See und wieder Bucht mit äquatorialer 
Wärme. Bei Nacht lag er Wache vor Tür ihres Gemachs, wenn 
ein Mann über die Schwelle in Schwüle getreten. Rahel liebte 
Abwechslung. Aber viele rochen nach Fusel. Alle aber waren 
Hünen. Erste Zeit blieb Jörg in Entwicklung zurück, deshalb 
wollte ihn Rahel zum Eunuchen bestimmen. Dann aber schoß 
er hoch. Bekam Muskelansätze. Brannte schon immer mit ihr 
zu baden. Schon des Morgens genoß er davon im Geiste. Es 
überkroch ihn etwas wie Wohlgefühl. Rahel leitete langsam über. 
Und da entsann er sich dunkel, in der Budike Ähnliches be 
lauscht zu haben. Und er lernte gut: war Stier an Wucht, doch 
geschmeidig, ausdauernd. Da trat Rahel, badentstiegen, nackt zu 
Nacktheit sprechend, nochmals den Jüngling Jörg kritisch über 
prüfend, arabeskenhaften Ausspruch: es wäre mir leid, soviel 
Talent und Kraft zu beschneiden. Nein, Du paßt nicht zum 
Eunuchen, Du bist Künstler Deines leibbeseligenden, ach, ganz 
wunderbaren Instruments, das Du wie einen Meißel gebrauchst, 
sicher, straff, bestimmt. Wenn Du schon kein Bildhauer wirst, 
so gewiß ein Frauentröster. Du bist Goliath, mein Goliath! 
Da trat Jörg ungemein fest auf, daß der Lüster erschrocken 
von Decke niederbrach. Man hörte aber keinen Zerlärm, denn 
er, Jörg, schrie wie Urwald. 
Tch bin der Abt vom Berge, begrüßte Jörg das Parlament, 
1 komme soeben vom Mann im Mond und bringe Euch seine 
freundlichen Grüße, Telegramme und das Offert, seine Hosen 
träger zu kaufen, die er selbst erzeugt, Marke „Herkules“ bitte. 
Damit, d. h. wenn jeder von uns sie trägt, haben wir unsre 
Valuta heraus. Dem Herrn Finanzminister empfehle ich un 
bedingt zehn Paar dieser Hosenträger anzulegen. Dazu würde 
als gemäßigtes Kostüm sich ein Reiherhut mit Pantoffelschnallen 
sehr gut machen. Übrigens: war das neue Wahlgesetz nicht sehr 
gut? Konnte nicht jeder Republikaner am denkwürdigen Wahl 
tage unbesorgt seine kalte Schale löffeln, trotzdem das K. d. W.
	        
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