Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (5)

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hoch, spielte mit der Zunge im Mund und stellte sich angestrengt 
vor, wie es wäre, wenn sie ihm mit einem Bleistift schnell ab 
wechselnd in beide Nasenlöcher führe, zuvor die Hände und 
Füsse binden, haha. . . . Dann schnappte alles in ihr aus 
und nur ein unbestimmter Drang bohrte leise . . . 
Später erinnerte er sich, dass es begann, als sie ganz plötz 
lich „Schuft"! schrie, und dass ihre Stimme wie aus einem 
Wald scholl. Dann kreischte sie Schmähung über Schmähung 
heraus, log, übertrieb, erfand Unwichtiges, weinte tränenlos, 
stiess mit den Füssen nach ihm und lächelte darüber. Da hielt 
sie entsetzt inne, griff sich auf die Brust, ihre Augen wurden 
schillernde starre Glaskugeln ... Sie warf den Kopf so fest 
auf eine Achsel, dass es knackte, drehte ihn weit nach rück 
wärts und rannte davon. . . . 
... An einer Strassenecke lag halb eingetrockneter Kot. 
Es packte ihn, seine Hände hineinzuwühlen. Gleichzeitig 
wusste er, dass er es nicht tun könnte. Da wollte er es den 
noch tun. Aber er vermochte es nicht. Ganz fern trieb es wie 
Schluchzen auf ihn zu . . . 
Walter Serner 
Gesichte der Nacht 
Einsam bin ich unter Bilder gebettet, 
Die mich seltsam mit tiefer Stimme höhnen. 
Stiegen gehn durch mein Herz, die von Schritten stöhnen, 
Und Keller sind an meine Kniee gekettet. 
Durch meine Fenster fallen Flagellationen 
Blutend in mein Angesicht. Die Zeiger 
Der Uhren machen mich weggeworfener, feiger, 
Und der Stunden lange, launische Prozessionen. 
Die Kälte der Höfe bricht in meine Kissen, 
Durch mein Atmen jagen sich heiser die frierenden Hunde. 
Jedes Tor ist an meinem Leib eine offene Wunde, 
In die sich Bücherberge und Gebete verbissen. 
Ueber meine Hände strömen die Strassen Licht. 
Häuser liegen auf meiner Brust wie schwere Visionen. 
Durch meine Fenster fallen Flagellationen 
Blutend in mein Angesicht . . . 
Max Herrmann, Neisse
	        
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