Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (5)

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des Optischen, die in der Zeichnung die Reinheit der Handschrift 
bedingt, ist für Daumier darum bestimmend gewesen, ja seine 
künstlerische Prämisse, und es ist ein tiefer Aufschluss, dass 
sein Christus ans Ende fiel. Hier war es aus. Dort war die 
Weite für den Niederschlag. Es ist grotesk, den Griffel Daumiers 
als illustrierenden Journalismus verunglimpft zu wissen zu 
gunsten einer Malerei, die teils marastisch ist, teils seminarhaft 
rangiert wird. „Oedipus“, „le meunier“ und „la Republique“ 
sind durchaus bedeutungslose Bilder, während dort, wo die 
Linie erscheint, sofort auch die Kraft zu spüren ist. Die „Noc- 
tambules“ erwecken die bohrende Sehnsucht nach der Zeichnung, 
und „le malade imaginaire“ (der in der Sammlung Mme. Esnault- 
Pelterie in Paris, nicht der bei Bureau) ist fast das Todesurteil 
der Malerei: was hier erreicht wird, ist farblos, und die souve 
räne Verachtung malerischer Dinge hebt die wollüstig-entsetzens 
volle Perspektive dieses Sujets an die Schwelle des Gedanklichen, 
wo sie mit einem Blick stehen bleiben muss, der zutiefst 
erschüttert. Die michelangelesken Croquis sind solch 
unterbliebene Bilder, und Honore Daumier selbst ist ein unter 
bliebenes Buch. Er war ein Denker, dem die mentale Form 
versagt und in die der ach so relativen Optik verdrängt ward. 
Darunter litt er wie kaum einer vor ihm, und darum wurde er 
einer der abgründigsten Zeichner nach Rembrandt und der Grosse, 
dessen „Nous voulons Barrabas“ kommenden Geschlechtein das 
Malen für immer verleiden könnte. 
Walter Serner 
Die Sterne, an die wir glauben, sind das Fünkchen Liebe, 
mit der wir unsre Welt aufbaun. Denn sie ist die wirkliche. 
Wie gross ist der Mensch, wie klein sind die Sterne. 
Der Mensch ist der Mund des Herrn, die Sonnen sind das 
Hohelob des Gehorsams. Aber die Sterne sind das Glück aus 
Demut, nur die Erde sträubt sich in ihren Bäumen und atembe 
gabten Wesen, sie selbst zu sein. Jeder Wurm, der den Boden 
bekriecht, die Hündin, die um ihre Jungen herumschnuppert, der 
Geizige, der den Eintrag beriecht, wollen alle ihr Anders. Jeder Le 
bendige, der sich beruhigen kann, ist ein Schmarotzer, bloss ein Ha 
bicht darf in Herrlichkeit über allem Unerwognen sieghaft fliegen: 
der Verstand. Aber der Verstandbegabte ist erkenntlich am 
unwirschen Aeckerbeblicken. Doch ist der Mensch der Weg zu 
den Sternen, denn er erkühnt sich, Ruhe zu verbreiten. 
*) Aus dem Buch „Mit silberner Sichel“, das kürzlich im Hellerauer 
Verlag in Dresden-Hellerau erschienen ist.
	        
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