Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (5)

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— Wenn der Kaiser einmal seine ungarischen Schafe auf 
den Sand in der Mark triebe und der König von Preussen die 
seinigen in Ungarn weiden Hesse, was würde da nicht die Welt 
gewinnen, 
— Milton, der grosse Freiheitsredner, hatte drei Weiber nach 
einander und drei Töchter, aber solche erniedrigende Begriffe 
vom weiblichen Geschlecht, dass er glaubte, sie wären bloss zum 
Gehorchen da. 
— Was eigentlich den Schriftsteller für den Menschen aus 
macht, ist, beständig zu sagen, was der grösste Teil der Men 
schen denkt oder fühlt, ohne es zu wissen. Der mittelmäs- 
sige Schriftsteller sagt nur, was jeder würde gesagt haben. 
Georg Christoph Lichtenberg 
Lido 
Wir wissen nicht, wie lange wir schon liegen 
Auf zarten Sanden und vom Meer umweht, 
Und lassen es, dass unser Tag vergeht. 
Heimkehren sehn wir die geschwungnen Riegen 
Der Fischer von Chioggia. Braune Fetzen 
Umküsst der Wind. Das leichte Gleiten 
Ruft Wünsche, freier in die Welt zu reiten 
Und sich an fremder Männer-Tisch zu setzen. 
So vieles ist uns kalter Stein geblieben. 
Wie höhnten wir und ritzten Stich an Stich! 
Glaubt ihr es nicht, dass Bluten oft verblich, 
Wenn wir erkennend unsre Brüder liebten? 
Karl Schönberg 
Bücherbesprechungen 
Gustav Meyrink: Der Golem (Verlag Kurt Wolff, Leipzig) 
Dass um 1900, in jener Literaturepoche, wo im Durchschnitt das nach 
allen Regeln des Geschäftes Ausgebeutete und auf rein optisch gefällige 
Passform Gefertigte am lauten Markt das Meistgefragte war, auch die Gat 
tung des Phantastischen die gute Tradition vergass und fixe Oberflächena 
krobatik biederer Gespensterfabrikanten dem äusseren Anscheine nach alle Eh 
ren einheimsen liess, ist nicht verwunderlich. Obwohl, oder grade weil damals 
bereits jene Grossen : Dostojewskij, Strindberg, Ibsen, Hamsun für immer mehr 
Augen zu leuchten begannen, in diren Welten werken Mysterium und Vision, aller 
heimliche, uneingestandene Nervenspnk und irrlichtelierende Halluzination
	        
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