Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (7)

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und lässt Nachforschungen anstellen haha . . . Sagen Sie, dauert 
das Geklapper da drüben noch lang? Schauderhaft! Tatsache, 
solche Sachen sind ein Grund, weshalb ich für die Polizei bin. 
Obwohl ich natürlich gegen diese entsetzliche Bevormundung bin, 
andererseits. Wissen Sie, hier in Deutschland gibt es, genau ge 
nommen, gar keine Ejwachsenen. Alles Drill, Uniformierung, 
Erziehung. Ich bin neugierig, wann dieses, mir übrigens etwas 
zu blonde Volk einsehen wird, dass die eigentliche Erziehung 
die Abwesenheit jeder Erziehung ist. Dass ein unverprügeltes 
Gehirn mehr Chancen hat als ein Regierungsrat und dass ein 
besoffener Kutscher weniger Aergernis erregt als der ihn arretier 
ende Schutzmann ... Ja, sagen Sie, ich langweile Sie wohl, 
ja? Na, macht nichts, ich weiss das ja. Die Hauptsache ist 
nämlich, dass ich ein Vis-a-vis habe. Es macht Ihnen doch 
nichts aus! Und ich kann mich wieder ausbeuteln für ein paar 
Tage. Uebrigens seien Sie sorglos, mein Bester, ich habe mich 
schon ausgebeutelt. Es liegt mir nämlich gar nichts an dem 
Wie und an der Wirkung. Sie sind mir sogar sehr angenehm 
mit Ihrem Schweigen. Sie haben das alles sehr richtig erfasst. 
Das machen andere nämlich nicht. Da hatte ich kürzlich eine 
amüsante Geschichte mit dem kleinen Kopotenko. Das wird Sie 
wirklich interessieren. Ich hatte wieder so einen Beuteltag, haha, 
na ja, und der kleine Kopotenko musste da alles neben mir Kur 
fürstenstrasse lang sich anhören. Plötzlich aber steift sich das 
Kerlchen und trompetet, und, das muss ich ihm lassen, es war 
wirklich sehr chik arrangiert, ja, also trompetet, ungefähr so: 
,Ihre Worte, Herr Naran, zischen kühn wie Raketen in die Höhe, 
zerplatzen in viele Farben und Formen, die aber auf einmal fort 
sind.* Es bleibt nichts. 4 Ungefähr so. Pompöses Bild, bitte! 
Nun glaubte natürlich der Kleine, ich würde schnurstraks er 
blassen, wanken, beben, schlottern. Aber nichts von alledem ^ 
geschah. Das Kerlchen glaubte mich schon zu haben. Dabei * 
hatte ich ihn. Ich kann nämlich sehr gut seitlich beobachten, 
auch wenn der andere fest glaubt, ich sähe geradeaus. Und so 
konnte ich von seiner losgelassenen Visage alles herunterlesen. 
Zuerst dachte er, sogar ein wenig ängstlich, ich könnte vielleicht 
irgendwie brachial werden. Dann aber, als nichts geschah, gings los. 
Ich sah ganz deutlich, dass ihn ein unbeschreibbarer Hass schüt 
telte, geradezu schmerzte. Aber mit einem Mal, eine vollständige 
Veränderung. Er entdeckte nämlich, dass er mich ja liebte. Dass 
sein Schweigen mehr noch als seine Worte um mich geworben 
hatten, aber nicht angenommen worden waren. Und jetzt konnte 
ich ganz deutlich sehen, wie er dachte: Du sollst mich nicht 
klein sehen, Hallunke, du nicht. Ich sah, wie er sich zusammen 
raffte, wie er sich anstrengte, und wie er dann dachte: Es ist 
ja doch klar, dass er jetzt aus Taktik schweigt, das Bürschchen
	        

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