Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (7)

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ist gerieben wie ein Fuchsfänger, wartet hinter seinem Gequassel 
ruhig, bis man sich endlich, schon aus Wut gegen sich, ver- 
schiesst, und gibt einem dann eine Ohrfeige par excellence, in 
dem er plötzlich schweigt, und ich soll mir denken, o, mein Herr, 
sie haben sich ja ergötzlich verschanzt, und ich, ich habe mich 
verschossen, nein, Hallunke, das soll dir nur einmal gelungen 
sein. Ich hörte, wie seine Zähne knarrten und wusste natürlich 
sofort, dass er sich jetzt zu einem ganz verzweifelten Rettungs 
versuch entschloss. Richtig. Herr Kopotenko sagte, friedlich 
wie ein Lamm und so weich, dass es schon wieder schmierig 
wurde: ,Ich wollte Sie nicht demütigen, Herr Naran 1 . Aber ich 
passte auf sein Gesicht. Es war dem Kerlchen zumute wie einem, 
der einer grossen Gefahr mit einer kleinen verbergbaren Ver 
letzung entronnen zu sein hofft und sich, obv/ohl er erst nur 
hofft, schon fest vornimmt, von nun an so einer Gefahr schon 
von weitem vorzubeugen, indem er einfach adieu sagt. Ich 
wusste .selbstverständlich sofort, dass er jetzt sich höflich ver 
abschieden würde, um seiner Hoffnung auf die Beine zu helfen, 
und sagte schnell: ,0, ich bin überzeugt, Herr Kopotenko, ganz 
überzeugt davon. Es hat mich allerdings ein wenig frappiert, zu 
deutsch: abgekühlt. Und gottseidank, ich bin nicht sozusagen 
geistesgegenwärtig. Odios. Das ist eine Eigenschaft, die man 
nur sehr vorsichtig einem persönlichen Werturteil unterlegen soll. 
Denn Geistesgegenwart begründet nur den paraten gesunden 
Menschenverstand, obgleich sie zweifellos jedem besseren Berufs 
menschen sehr schätzenswert sein darf. Aber wen eine Situ 
ation wortlos macht, der ist wahrscheinlich ein feinerer Kopf, 
als wer sie blitzend zu beherrschen meint 4 . Nun hatte ich ihn. 
Was sollte er jetzt tun? Ich wusste ganz genau, dass er jetzt 
wieder anfangen würde zu schweigen, und weil er schweigen 
musste, dass er sich einreden würde, das wäre ein Trik. Das 
wusste ich natürlich. Mich jammerte der Kleine schon fast. Und 
ich nahm mir sogar vor, ihm sein kleines Trikchen ganz zart 
aus den plumpen Pfoten zu drehen. Die Gelegenheit kam rasch. 
Und ich begann so ganz nebenher: ,Ja, Kopotenko, da reitet was, 
das man sich ansehen darf! 4 Es war nämlich die wirklich un 
erhört süsse, Sie kennen sie sicher vom Sehen, die Baronin 
Gleichinger. Ja, also ich sagte: ,Na, Kopotenko, kaufen Sie sich 
einen gutsitzenden Anzug und einwandfreie Unterwäsche, dann 
ist auch das dort auf dem Pferderücken nicht zu hoch für Sie. 
Freilich bleibt es dabei immer noch fraglich, ob Sie auch im 
stande sind, aus dem Handgelenk zu grüssen und Gnädige Frau 
so auszusprechen, dass sie Ihnen die Heimatsberechtigung dazu 
glaubt. Tja . . . nicht so einfach eben. Und da oben gibts 
Exemplare: schwerstes Tipp-Topp. Aber im Grunde ist der 
Unterschied ein Phantasieakt. Man transponiere zum Beispiel
	        

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