Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (8)

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lächerlich und wie dumm. Das machte ihn unversehens heiter 
und sein Gehen geriet in selbstgefälliges Schlendern, das ihn 
aber sofort, als er es wahrnahm, missmutig stimmte. Er stiess 
den Atem gequält hinaus und riss die Brauen nach oben: 
„Ach". . . 
Nun wurde er zornig, ohne es begreifen zu können, und es 
deshalb noch mehr. Er rieb die Zähne aufeinander, dass sie 
knarrten,' und begann fast zu laufen. O, nur nichts denken, 
nichts fühlen, gar nichts ... so ... so ... so . . . Schliesslich 
sang er leise im Takt zu seinen Schritten den Kaiseradlermarsch. 
So geht es am besten*.,fühlte er und als er es dachte, war ihm 
alles so gleichgültig," dass er laut weiter-sang . . . 
Wie stets, wenn er kein bestimmtes Ziel hatte, ging er 
einen oft von ihm benützten Weg. So war er nach kurzer Zeit 
vor dem Cafe. 
Vor dem Eingang blieb er stehen und sah leer auf das 
Strassengetriebe. Dann hingen sich seine Augen, gleichsam um 
zur Ruhe zu kommen, an ein flinkes kleines Weib, bis es um 
die Ecke war; dann an einen Mann, dessen übergrosse Füsse 
von den Fersen aus auseinander strebten . . . Wie unbeholfen, 
der muss albern sein. Irgend etwas an diesem Mann erinnerte 
ihn an Frundner und so an das Gespräch von gestern mit ihm. 
Und erst .-Jetzt ärgerte er sich' masslos über sich. Nebenher lief 
die Ueberlegung, ob er nicht vorhin auf Albernheit geschlossen 
hatte, weil ihm schon Frundner auf die Gedächtnisschwelle . . . 
Er lächelte verzerrt. Der Umstand, dass er ja doch alles schon 
während des Gesprächs ganz Tclar gewusst hatte, beruhigte ihn 
und er beschloss, indem er sich aufrichtete, von nun an in 
solchen. Fällen anders zu handeln, fester, selbstbewusster. Und 
als wäre dieser Entschluss die Ursache, ging er rasch ins Cafe. 
Doch schon zwischen den Flügeltüren des Eingangs be 
schlich ihn eine dumpfe Resignation, das unsicher machende 
wehmütige Gefühl, dass das alles ja doch nicht von ihm 
abhänge. 
Er begann, sich mühsam zwingend, einen politischen Leit 
artikel zu lesen, fand mit nicht eingestandenem Erstaunen Inte 
resse an ihm und las ihn zu Ende. Dann aber dachte er: aha, 
so hilft sich die Schwäche . . . ach was! . . . und las alles 
Folgende, Zfeile um Zeile. 
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ ” 
„Ja bitte." . Er legte unwillig die Zeitung weg, doch als er 
Kanulf betrachtete, war es ihm, als bestünde etwas zwischen 
ihnen, das der Klärung bedürfe. Et vermochte jedoch nicht, sich 
darauf zu besinnen. Das Finstere, das dadurch in seine Züge 
kam, deutete.Kanuli. als Ablehnung.-und., wurde unruhig und 
bald erbittert. Zudem hatte dieser die Absicht gehabt, wegen ei
	        

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