Full text: Sirius : Monatsschrift für Literatur und Kunst (8)

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Es stand für mich einfach fest. Und dass ich heute diese Aus 
sprache suchte, das sollte für mich nur die letzte Bestätigung sein. 
0 wie billig Ihre Mittel sind ! Den Flaneur gegen den Staats 
beamten ausspielen! Den Künstler gegen den Arbeiter! Ich meine, 
das Fräulein, das auf diese Romantik nicht hineinfliegt, wenn sie 
pathetisch genug vorgeturnt wird, ist noch nicht empfangen worden! 
Und dann, sollten Sie vielleicht so läppisch sein wollen zu be 
haupten, ich halluziniere, so unterschätzen Sie meine Psychologie. 
Wenn man den Faubourg St. Germaine so bei den ... ja ge 
wiss, bei den braunen Haaren herbeizieht und zu oft als erfor 
derlich den cheri anbringt, der man ja doch so gerne schon unge 
schmälert sein möchte . . . ich meine, da ist nichts mehr zu wollen, 
lieber Scharoll, aber schon gar nichts mehr. Ich sehe nur bei der 
ganzen Geschichte nicht ein, warum Sie und Germaine nicht offen 
gegen mich waren. Sie kennen mich ja so weit, um zu wissen, 
dass ich nicht mit dem Säbel oder mit Paragraphen komme. 
Aber natürlich . . . diese Möglichkeiten haben Sie ihr ja einge 
redet, um Ihrer Sache sicherer zu sein, ja natürlich. . .“ 
„Aber Kanulf, was . . 
„Ja natürlich. . . ja, ja. ... Ich bin doch kein frischgelegter 
Hase. Ich weiss doch bis auf die Silben Ihr ganzes Arrangement 
und verhehle Ihnen keinen Augenblick, dass ich Sie bekompli- 
mentiere. Sie haben ganz meisterlich gespielt, so meisterlich, dass 
ich, als ich an den Tisch kam, meinen ganzen Plan umwarf und 
mich regelrecht entschuldigen wollte. Da spielt der Herr aber so 
fort den Gestörten, Belästigten. Das Gegenteil natürlich! Sehr 
fein, muss man schon zugeben. So fein, dass ich wahrhaftig alles 
in den Wind schmiss und einfach glaubte, er ist arrogant und 
arrogant wurde. Aber dann kam Ihr erster Fehler. Wie konnten Sie 
auch nur! So tun, als ob Sie nichts mehr wüssten . . . Wissen 
Sie, wann Sie sich verrieten? Als Sie das doppelgestrichene Jaa 
so entzückend danebengedehnt losliessen. Aber, das gebe ich 
ohne weiteres zu, Sie bemerkten Ihren Lapsus sofort und spielten 
haha . . . zu meiner Beruhigung Persönlichkeit. Grossartig! 
Wirklich grossartig! Aber das verpatzte ich Ihnen rasch, nicht 
wahr? Als ob ich nicht gewusst hätte, dass man nur mit 
Konversation hineingelegt werden kann! Und ich habe Sie hin 
eingelegt, lieber Scharoll, liebes Scharöllchen. Und nun ge 
statten Sie, dass ich mich empfehle . . . Ober, zahlen!" 
„Kanulf, bleiben Sie, ich werde Sie . . .“ 
„Pardon . . . überzeugen, nicht wahr, dass Germaine noch 
ein unschuldiges Kind ist . . . Jaa . . , So wars doch, nicht 
wahr?“ 
„So bleiben Sie doch noch einen Augenblick.“ 
„Aber, aber . . halten Sie sich doch nicht selber für so albern. 
Sie, Ober, also wenn die Kleine kommt, Sie wissen schon, so
	        

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