Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

kongreß weltlicher Herrscher und Diplomaten, den je 
eine Welt gesehen hat, machte unter Metternichs Takt- 
ßtock Kirchenmusik, ausgeführt von einer Rückver 
sicherungsgesellschaft adeliger Herrschaften, die gegen 
den Friedens- unld Ruhestörer, das verhaßte revolutio-i 
näre Frankreich, alle 'Art bohlklingenlder und miß- 
töniger Instrumente hlies. Es wäre interessant, die 
Geschichte der Eifersüchte und der in den öster 
reichischen Kabinetten ausspionierten reaktionären 
Regierungsmethoden zu erbitten, die Bismarck, dieser 
schlimme Metternichepigone, von da an nach der 
Spree verpflanzte. So sehr im schließliehen „Kultur 
kampf“ das Haus Hohemz Ollem mit dem Hause Halbs 
burg zusiammenstieß, so tief sympathisch müssen den 
Habslburgern (doch die wohlvertrauten Bismarokschen 
StaatSgrunldsätze geblieben sein: Ordnung, Ruhe und 
Frieden, bis es ausreicht für einen Weltkrieg. Das 
auserwählte Volk ist jetzt Preußen. 1914 beginnen 
die Deutschen ihre Kulturmission bereits nach Bel 
gien, ja nach Frankreich zu tragen, dem Herd aller 
Unruhe und allen „Revolutionsfiebers“. Man hat vor 
gearbeitet. Die Sorbonne und das College de France 
arbeiten mit den theologischen Methoden der deut 
schen Evangelienkritik. Die französischen Sozialisten 
rühmen die marxistische Pfaffensohule. Die Syndikate 
nehmen Berlin für Rom unld Regien für Pontifex. 
Hertling wird Reichskanzler unld Karl von Habsburg 
soll König des katholischen Polens werden. Das 
katholische Belgien hat man schon kultiviert. Der 
Papst wird helfen, Italien und Frankreich der „Kultur“ 
zu gewinnen. Dein deutschen Gott aber wachsen 
Flügel.
	        

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