Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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Krieg, und namentlich seit dem Attentat von Sera- 
jevo, haben diese Verfolgungen der österreichischen 
Serben durch den von der Polizei aufgehetzten Pöbel, 
in Form von Plünderungen und Massakres, eingesetzt. 
Der Abgeordnete Ivan Frank hat im kroatischen Land 
tag erklärt, daß der Chef der Agramer Polizei ihm 
nahe legte, die serbischen Führer durch den Pöbel zu 
ermorden. Beim Kriegsausbruch kam es wie die Pest 
über das unglückliche Land und Volk der Südslawen. 
Gekaufte Journalisten erfanden unaufhörlich serbische 
Bomibenattentate auf Züge, Eisenbahnlinien, Schiffe 
etc., um damit die drakonischen Maßnahmen der Be 
hörden zu rechtfertigen. Die ganze männliche, natio 
nal gesinnte Bevölkerung wurde eingekerkert, ver 
bannt, ruiniert, hingerichtet; Jugendliche und Greise 
ließ man verhungern, was übrig blieb, wurde ein 
geschüchtert, demoralisiert, geschändet. Die Ver 
haftung sämtlicher Führer des Volkes, um sie ent 
weder als Geiseln zu verwenden oder niederzumachen, 
geschah nach einem vorbedachten und von langer 
Hand vorbereiteten Plan, um das Volk wehrlos zu 
machen. 
Als der Redner nach dreimonatiger Gefangen 
schaft in Marburg zum ersten Male vor einen Richter 
geführt wurde, erklärte ihm dieser, daß er nicht wisse, 
wessen er, Tresitch-Pavitsobitoh, angeklagt sei, er 
werde es aber leicht begreifen, wenn er sich vergegen 
wärtige, „daß wir allein in Dalmatien, in Istrien und 
Kärnten über 5000 Personen verhaftet haben.“ Man 
kann sich danach ungefähr vorstellen, wie viele Ver 
haftungen in Bosnien, Herzegowina, Slawonien und 
Ungarn vorgenommen wurden. Zu Hunderten wurden 
die Unglücklichen unter den unglaublichsten Ent 
behrungen und Entehrungen fortgeschafft, ausgesetzt 
den Mißhandlungen seitens der fanatischen Soldateska 
und magyarischen Meute. Viele wurden darob wahn 
sinnig. Von Spalato war der Redner mit seinen Leidens 
genossen nach Fiume verschifft und dann über Agram 
und Budapest nach Marburg geschafft worden. Von 
Firme an dauerte der entsetzliche Transport drei 
Tage und vier Nächte. Nach diesen vier schlaflosen
	        
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