Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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zu antworten, der nicht, wie wir alle es wünschen, 
zum Frieden und zur freundschaftlichen Zusammen 
arbeit der Völker beiträgt, sondern zum Entfachen 
neuer Kämpfe, wie sie noch nie dagewesen wären und 
die viel weittragender sein würden, als es seihst ihre 
Urheber ahnen. 
Wir konstatieren weiter offen, daß man diese 
Rechtsmißbräuche gegen unsere Völker in einem 
Momente begeht, da die breitesten Schichten unserer 
Völker nach beispielloser Entbehrung während unend 
licher Kriegsjahre und nach einer gänzlich mißlun 
genen Ernährungspolitik, vor einer wahren Kata 
strophe stehen. 
Deshalb bedauern wir schwer, daß in den Augen 
blicken, da wir kein Brot haben und wo wir nicht 
wissen, was uns der Morgen bringt, diesen beispiel 
losen sozialen und ökonomischen Leiden noch ein 
neues politisches, nationales und staatsrechtliches Un 
recht hinzugefügt wird, und daß dadurch eine Span 
nung entsteht, deren Folgen heute niemand absehen 
kann. 
Wir erheben unsere Stimme dagegen, daß die Re 
gierung jetzt, da die Prinzipien der demokratischen, 
staatlichen Gleichheit und menschlichen Autonomie 
überall erstarken, gegen uns vorgeht mit Experimen 
ten, die in Wahrheit nichts anderes bedeuten, als eine 
neue Erstarkung des Absolutismus und eine Ver 
mehrung des bureaukratischen Apparats. Anderseits 
aber verachtet man alle Forderungen unserer Völker. 
Nachdrücklich protestieren wir dagegen, daß in 
der Zeit, wo die Parlamente aller in Wahrheit demo 
kratischen Staaten über das Schicksal ihrer Völker 
selbst entscheiden, die Regierung das österreichische 
Parlament vertagt hat ohne wahren Grund und Not 
wendigkeit, und zum Schäden aller öffentlichen Inter 
essen. Die Abgeordneten verlieren so von neuem die 
parlamentarische Tribüne, nachdem sie ganze drei 
Jahre unter dem Drucke der Militärdiktatur gelitten 
haben. Die Verantwortung für die Folgen fällt in 
erster Linie auf die Regierung, die mit diesem 
Ihrem Schritte von neuem der ganzen Welt gezeigt
	        

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