Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

falls, wenn sie das Wort ergriffen, und daß sie beide 
dazu imstande waren, ihr Volk mit sich fortzureißen, 
wenn es um den Kranz oder gegen den Catilina ging. 
Etwas von dieser antiken Größe steckt auch in der 
Rede Wooldrow Wilsons, und ich las neulich, sie sei 
ein klassisch Stück, das einst in den Schulbüchern 
seinen Platz neben den größten Beispielen mensch 
licher Geistesgeschichte finden dürfte. In der Tat, 
es hat etwas; der Vergleich mit Bethmiann-Hollweg, 
mit Helfferich, mit den Parteiführern in Berlin ist 
für den Deutschen mehr als beschämend. Wilsons 
Rede ist ein Meisterstück, und sei’s nur Rede, sei’s 
nur im Sinne Marc Antons in Shakepeares Julius 
Cäsar, der Rom wie die aufgepeitschte See zu seinen 
Füßen branden sah. Freilich mich will es mehr be- 
diinken, denn mich mahnt’s an Galileo Galilei: Und 
Sie bewegt steh doch! Mich mahnt’s an Savanorola. 
und ich sehe noch einmal den Dominikaner, der auf 
der Piazza Signoria in Florenz um seiner Ueber- 
zeugung willen zu Asche sank. 
„Unser Zweck ist, die Prinzipien des Friedens 
und der Gerechtigkeit im Leben der Welt zu ver 
teidigen gegen ein selbständiges und autokratisches 
.Regiment. Wir wollen eine Vereinigung freier und 
ihr Schicksal selbst bestimmender Völker begründen, 
damit diese unsere Prinzipien aufrecht erhalten wer 
den! 
Eine dauerhafte Friedensgemeinschaft kann nur 
durch demokratische Nationen gewährleistet icerden. 
Nur freie Völker sind dazu imstande, das Wohl 
und die Ehre Aller als Endziel im Auge zu behalten 
und das Interesse eines Jeden dem eigenen Interesse 
hintanzusetzen. 
Die preußische Autokratie kann nie und nimmer 
unser wahrer Freund sein. 
Wir verfolgen kein selbstsüchtiges Ziel. Wir 
kämpfen für den endgültigen Frieden der Welt, für 
die Befreiung der Völker, das deutsche Volk mit ein 
geschlossen, für die Hechte der Nationen, der großen 
wie der kleinen, für das Privilegium der freien Selbst 
bestimmung eines jeden Menschen. Wir wollen die
	        
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