Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

Politik leider auch in unserem Lanide gefunden hat, 
weissagten uns nichts Gutes. Die „Freie Zeitung“ 
würde es auf fünf, auf zehn, vielleicht gar auf zwanzig 
Nummern bringen; dann würde sie inmitten der all 
gemeinen Teilnahmslosigkeit und Andersgesinntheit 
wieder verschwinden. Andere, die es gut mit uns 
meinten, waren erschreckt über die „revolutionäre 
Tonart“ unseres Blattes. Man dürfe nicht immer alles 
sagen, was man denke, dürfe das Publikum nicht „vor 
den Kopf stoßen“, sondern müsse es erst „allmählich“ 
für die gute Sache gewinnen usw. 
Kurzum, die „Freie Zeitung“ war für die einen 
ein „enfant terrible“, das sich bald von selbst unmög 
lich machen mußte, für die anderen überhaupt ein 
totgeborenes Kind, über das man nur verächtlich oder 
mitleidig lächeln konnte. Nun, Straßenverkauf und 
Abonnentenzahl sind von Nummer zu Nummer ge 
stiegen. Nach drei Monaten hatte die Auflage schon 
9000 Exemplare erreicht, und heute ist die „Freie 
Zeitung“, dank der aufopfernden Tätigkeit unseres, 
sagen wir Reklamechefs, Herrn von iSimson und seiner 
Gehilfen in der Bundesanwaltscbaft mit einer Auf 
lage von 14,000 Exemplaren zu einer der meistgelesenen 
politischen Zeitschriften der Schweiz geworden. 
Diese wenigen Angaben beweisen, daß die „Freie 
Zeitung“, so unvollkommen sie auch noch sein mag, 
doch auf der richtigen Fährte ist und daß das lesende 
Publikum Gefühl für die Lauterkeit unserer Bestre 
bungen hat. Aber eben unser Erfolg mußte auch die 
Ursache für eine andere Erscheinung werden, die die 
Veranlassung ist, weshalb wir unseren Lesern heute 
diese kleine Bilanz vorlegen. Da die „Freie Zeitung“, 
statt zu sterben, beständig an Einfluß zunahm, konnte 
man sie nicht totschweigen. Und da unsere Gegner 
schon deshalb eine ehrliche Diskussion der von uns 
vorgebrachten Ideen und Tatsachen scheuten, weil 
sie sich ihr nicht gewachsen fühlten, taten sie, was 
man in solchen Fällen immer tat und tun wird: sie 
eröffneten einen systematischen Verleumdungsfeldzug 
gegen unser Blatt. Die fehlenden Argumente ersetzten 
sie durch persönliche Beschimpfungen und Verdächti- 
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