Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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trotz dem Triumphe Satans, dem wir nun für eine 
Zeitlang anheimgegeben sind, trotz der Verzweiflung 
und Verblendung dieser blutberauschten Tage sehe 
ich auch die Welt durchlebt von einer ungeheuren 
Erwartung, der Ahnung einer messianischen Hilfe, 
und ich sehe höhere und universellere Kreise sich vor 
uns auftun; jede Stunde kann im Handumdrehen die 
große Wandlung uns bringen. Darum haben die Völ 
ker, während die beglaubigten Regierenden erstaunt 
oder spöttisch dazu blickten, dem sehnsüchtigen unid 
doch gebieterischen Rufe Wilsons ihr Ohr geliehen. 
Für einen Mann, der so große Autorität besitzt, klang 
seine Rede seltsam, und seine Stimme tönte wie die 
eines, der von weither kommt. Er überraschte die 
Nationen mit einer neuen Botschaft, deren Bedeutung 
von ihrem Herold oder dessen Hörern noch gar nicht 
voll ermessen wird. Ihnen unbewußt, ihm selber un 
bewußt verkündet er die Umkehr, die zugleich ein 
Ende und Beginn der Geschichte sein wird. Seine 
Worte bürgen dafür, daß es Menschensöhne gibt, die 
sich als wahre Söhne Gottes manifestieren werden, 
männlich und empfindungsreich in Seiner Liebe, 
furchtlos und kühn in Seiner Freiheit, als Seine 
wachen und erfinderischen Mitarbeiter an einer Ewig 
keit voll schöpferischen Wirkens. 
Und diese Worte wird die Welt behalten, diese 
Botschaft werden die Jahrtausende bekräftigen,' wenn 
der Krieg längst zu einem nebelhaften Ereignis auf 
dem Heimweg des Menschen verblaßt sein wird. 
EIN AMERIKANER DEUTSCHER GEBURT 
UND DER KRIEG *) 
von Otto H. Kahn, Newyork. 
(Nummer 18, 2. März 1918.) 
Unser Volk ist einmütig entschlossen zur Ver 
folgung eines hohen Zieles — eines Zieles, welches in 
*) In einem Schimpfartikel gegen die Beschlüsse der großen 
Newyorker Versammlung der deutsch-amerikanischen „Freund« 
einer deutschen Demokratie“ (Society of the Friends of German
	        

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