Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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dieser schicksalsschweren Zeit überall in der Welt* 
wo die Sprache freier Männer geredet und verstanden 
wird, ein und dasselbe ist. Dieses Ziel wird bezeichnet 
durch unser aller Entschlossenheit, in den Kampf zu 
gehen und alles zu tragen und zu wagen und nicht 
zu rasten und zu ruhen, bis die verruchte Macht, 
welche das namenlose Elend, das teuflische Geschick 
dieses grausigen Krieges über die Welt gebracht hat, 
so völlig vernichtet ist, daß sie sich nie wieder er 
heben kann. 
Mit dieser verruchten Macht meine ich keine 
Nation, sondern einen bösen Geist — den Geist, der 
die Nation, die von ihm besessen ist und sich von 
ihm zu blutigen Taten verleiten läßt, sich vor Gott und 
den Menschen zu einem Gegenstand des Abscheus 
gemacht hat. 
Die Güter, für welche wir nunmehr — nach un 
endlicher Geduld, nach langem Zögern, das für viele 
von uns kaum noch zu ertragen war — an der Seite 
unserer tapferen und schwergeprüften Waffengenossen 
im Kampfe stehen, gehören zu den höchsten und 
wertesten, welche die zivilisierte Menschheit im Laufe 
vieler Jahrhunderte durch die Mühen, Opfer und 
Leiden der Besten ihres Geschlechtes errungen hat. 
Es sind die Güter, ohne welche das Licht der Hoffnung 
erlöschen und das Leben unerträglich weiden würde. 
Es sind die Güter der Menschlichkeit, Freiheit, Ge 
rechtigkeit und Barmherzigkeit, für welche die Besten 
aller Völker, auch des deutschen Volkes, seit vielen 
Generationen kämpfen und bluten, — die Ideale 
Luthers, Goethes, Schillers, Kants und vieler anderer, 
die dem Namen Deutschlands Größe und Ehre ver 
Democracy) stellte die „Kölnische Zeitung“ mit Genugtuung lest, 
daß wenigstens der bekannte deutsch-amerikanische Bankier Otto 
H. Kahn, Vertrauensmann der deutschen Großfinanz vor dem Kriege, 
sich bisher dieser „deutschfeindlichen“ Bewegung nicht ange- 
schlossen habe. Etwa gleichzeitig ging der „Freien Zeitung“ dieser 
Aufsatz des genannten Herrn mit der Bitte um Abdruck zu. 
Die Redaktion sah sich veranlaßt, dem Beitrag folgende Notiz 
vorauszuschicken: „Leider können wir in unserer freien Schweiz 
diese aus der großen Schwesterrepublik uns zugehende Äußerung" 
wegen des auf uns lastenden Druckes nur in gekürzter Form 
wiedergeben.“
	        

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