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es keine Annexion geben, da es nocli keinen Staats
begriff gab, der so tief in alles Einzelleben, Beruf, Ge
sinnung, Wehrpflicht und dergleichen hereinreichte;
es braucht ihnen nur gewinkt zu werden von der fran
zösischen Seite, und die Sehnsucht führt nach Frank
reich, das Plebiszit und sein zweifelloser Ausgang
hebt auch in diesen Tagen noch den Charakter der
Annexion als einer gewaltsamen Angliederung auf.
Das ist nach fast fünfzig Jahren eine gerechte Quit
tung; im französischen Straßburg Goethe, der dort
deutsches Wesen studierte, und im reichsdeutschen
Zabern die preußische Garnison, die Elsaß mitten im
Frieden für Feindesland erklärte, geben einen so
traurigen Kontrast, daß das Behalten des Elsaß und
nun gar erst Lothringens unmoralischer wirkt als
selbst die räuberischste Annexion. Zudem ist zu
fragen; Sollte die Hergabe widerspenstiger Provinzen
keine Stärkung sein 1 ? Wir haben so freigebig der
Türkei versichert, daß ihr Saloniki und ihr ganzer
europäischer, ja sogar afrikanischer Besitz ein schäd
licher Ballast sei, unld daß die starken Wurzeln ihrer
Kraft in Asien liegen was ist uns hinderlich, die
Wahrheit dieses Ratschliages jetzt am eigenen Orga
nismus zu erproben? »
Was aber Bagdad angeht, so bleibt die friedliche
Durchdringung mit anständigen Mitteln und ohne die
bedenklichen bisherigen deutschen Geschäftspraktiken
jederzeit offen, auch ohne daß der Mutessarif von Bag
dad ein Angestellter des Auswärtigen Amtes zu sein
braucht. Gewiß, daran ist kein Zweifel, es ist vom
bloßen Verzichtfrieden bis zur Abtretung ein schmerz
licher Sprung zu tun. Er markiert die Niederlage für
alle Zeiten und im Plakatstil; aber man ist an Sprünge
schon gewöhnt, und das Friedensangebot vom letzten
Jahr, das nach altem Herkommen auch in Deutsch
land kein Mensch als Zeichen von Stärke und Hoff
nung, sondern bereits als Eingeständnis der Nieder
lage, trotz aller prahlerischer Zutaten, auffaßte, war
ebenfalls bereits ein großer Sprung im wilhetmisehen
„Deutschland, Deutschland über alles“. Man ist also
schon vorbereitet, unld zudem leben zu Hause Tausende