Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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man solchen Verbrecher unschädlich machen, solche 
Verbrechen in Zukunft verhüten bann. Erst stellt fest, 
von woher, idiurch welche Pforte der Missetäter in das 
europäische Friedensgehege eingedrungen ist, und 
dann schafft die Riegel und Barrieren, um ihm für die 
Zukunft das Eindringen unmöglich zu machen. Nur 
auf der Basis der Schulduntersuchung und des 
Schuldig Spruchs gegen den, der die Missetat begangen, 
ist ein Rechtsfriede aufzubauen, der solche Missetat 
in Zukunft verhindert. Erst Diagnose, dann Therapie. 
Erst Therapie, dann Hygiene. Nur dann wird Europa 
gesund werden, wenn der Krankheitskeim erkannt 
und für alle Zeiten ertötet sein wird. 
Eine dritte Gruppe — ich möchte sie die Gruppe 
der Kriegsdoktrinäre nennen, es gehören zu ihr, 
neben manchen bürgerlichen Pazifisten, vor allem 
radikale Sozialisten in kriegführenden und neutralen 
Ländern —, diese Gruppe der Doktrinäre geht der Er 
forschung der unmittelbaren Kriegsursaehen aus 
prinzipiellen Gründen aus dem Wege: die einen — die 
bürgerlichen Pazifisten — sehen die Völkeranarchie, 
die anderen — die radikalen Sozialisten — die kapi 
talistische Wirtschaftsordnung als die Missetäter an; 
sie betrachten den Krieg als ein notwendiges Produkt 
des gegenwärtigen Wirtschafts- und Völkersystems, 
als eine unvermeidliche Explosion längst angesammel 
ten Zündstoffes und zeigen gar kein Interesse dafür, 
den Brandstifter zu ermitteln, der die Lunte an das 
Pulverfaß gelegt hat. Ihnen genügt es, den Nährboden 
zu bezeichnen, aus dem (die verheerende Kriegsseuche 
erwachsen ist; sie lehnen es aber ab, den Bazillus zu 
ermitteln, der die Seuche hervorgebracht hat. Für sie 
kommt es nicht darauf an, die schuldigen Urheber des 
heutigen Krieges festzustellen und zu brandmarken, 
sondern nur darauf, für die Zukunft die wirtschaft 
lichen und völkerrechtlichen Zustände zu beseitigen, 
aus denen solche Katastrophen erwachsen können. 
Diese bürgerlichen und sozialistischen Doktrinäre 
gelangen so — meist unfreiwillig — zu demselben nega 
tiven Standpunkt der Schuldfrage gegenüber, wie ihre 
direkten Antipoden, die Imperialisten: sie begegnen
	        

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