Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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wegs zur Ausschaltung jeder Untersuchung über die 
Schuldfrage, zur Ablehnung der Verteidigung des an 
gegriffenen Vaterlahdes führt. So finden denn die 
schuldigen Herrscher und Regierungen auf beiden 
äußersten Flügeln des Sozialismus ihre Beschützer. 
Die Sozialpatrioten machen respektvoll vor den schul 
digen Herrschern und Regierungen Halt. Die Inter 
nationalisten springen respektlos über die Schuldigen 
hinweg. Dias Resultat ist, daß beide ihnen kein Här 
chen krümmen. 
Der richtige Weg liegt auch hier wieder in der 
Mitte: die Systemanklage muß mit der Menschen 
anklage verbunden werden. Daß eine ferne Zukunft, 
die die menschliche Gesellschaft im Sinne der sozia 
listischen Anschauungen umwandelt, Kriege ohne 
weiteres ausschließt, bedarf keiner weiteren Begrün 
dung. Die nächste Zukunft aber, die unmittelbare Zu 
kunft nach dem Kriege wird uns kaum schon die 
Verwirklichung unserer Ideale bringen: weder auf 
ökonomischem noch auf politischem Gebiete. Oder 
glaubt jemand ernsthaft, daß die Institution, die wir 
als den gefährlichsten Hemmschuh jeder fortschritt 
lichen Entwicklung innerhalb, der Staaten und zwi 
schen den Staaten betrachten müssen, daß die Mon 
archie — und besonders die Monarchie, auf die es 
ankommt —, durch dieses Blutbad sofort hinweg- 
geschwemmt werden wird? Leider ist keine Aussicht 
für solche rapide Entwicklung vorhanden, so sehr wir 
auch unsern Wunsch zum Vater unseres Geldankens 
machen möchten. Wir werden uns ailso darauf gefaßt 
machen müssen, mit dem Trompeter von Säckingen 
trübselig zu blasen: 
Es wär’ so schön gewesen, 
Es hat nicht sollen sein. 
Wir werden, so schmerzlich es auch ist — mit dem 
vorläufigen Fortbestand gewisser kriegs fördernder 
Faktoren rechnen müssen, von denen die Monarchie 
und der Kapitalismus (in der Form des kriegerischen 
Imperialismus) nur die hervorstechendsten sind. Wir 
müssen daher nach Heilmitteln gegen die Kriegsseuche
	        

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