Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

40 
eine Faust in der Tasche ballt. Mir scheint oft, die 
Deutschen machen sich noch gar nicht recht klar, was 
es für sie bedeuten würde, von allen übrigen zivili 
sierten Völkern boykottiert zu sein. Ich begreife, daß 
die in Deutschland erscheinenden Zeitungen idem Volke 
auch nicht sagen dürfen, worin seine Regierung vor 
diesem Kriege und während des Krieges so schwer 
gesündigt hat. Aber die deutschen Blätter der Schweiz, 
wenn sie es gut meinen mit der Zukunft des deutschen 
Volkes, sollten aufklärend wirken, besonders indem sie 
wirkliche Geschichte schreiben. Je weniger man in 
Deutschland darauf besteht, seine eigene Regierung 
zu entschuldigen, desto eher wird es für uns Belgier 
und für unsere mächtigeren Verbündeten möglich sein, 
dem deutschen Volk zu verzeihen. Ich habe lange 
genug in Deutschland gelebt, um zu wissen, daß diese 
wissenschaftlich so begabte Nation politisch noch sehr 
geknechtet ist. Alle Nichtdeutschen wissen und sehen 
dies. Nur der Deutsche selbst lebt beständig in seiner 
staatlichen Kinderstube, in steter Furcht vor der 
Zuchtrute seiner Vormünder. Das Kapitel „Belgien“ 
in der Geschichte des 20. Jahrhunderts wird, hoffe ich, 
auch das deutsche Volk belehren, daß sogar eine kleine 
Nation die Freiheit über alles liebt. 
DIE ERWÜRGUNG LUXEMBURGS 
von. einem Luxemburger. 
(Nummer 58. 31. Oktober 1917). 
Von den drei ständig möglichen Neutralitätsverletzungen 
ist diejenige Luxemburgs die schwerste und am wenigsten 
zu rechtfertigen. Das Deutsche Reich, nachdem es sich 
verpflichtet, Luxemburg zu verteidigen, hat dies Versprechen 
nicht gehalten ... Der politische Fehler ist nicht zu leugnen, 
und das moralische Vergehen noch minder, denn jederzeit 
bezeichnete das elementarste Menschlichkeitsgefühl als eine 
feige und verräterische Tat den Angriff des Starken, un- 
herausgefordert, auf den Schwachen, Unbewaffneten, und 
den zu verteidigen er versprochen hatte.“ 
(Oberst Feyler im „Journal de Gfeneve“, 27.1. 1915.) 
Am Nachmittag des 1. August 1914 beging Deutsch 
land sein erstes Verbrechen im westlichen Europa.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.