Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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die einen nach dem andern ihrer Freunde trifft, der 
mit ihnen arbeitet. 
Nicht nur die zerreißenden Trennungen und das 
Schauspiel des Elends machen die Frauen, die ver 
lassenen Kinder, vor wilder Verzweiflung verstummen, 
sondern auch die Demütigung -ihrer Angehörigen, die 
dem Feind dienen müssen gegen die eigenen kämpfen 
den Brüder, und ider Schimpf, sie zu dieser verworfenen 
Existenz geführt zu wissen, die man den erzwungenen 
Verrat genannt hat. 
Umsonst beteuert Deutschland, daß unsere Depor 
tierten zu keinem militärischen Dienst gezwungen 
werden. Seine Heuchelei wird niemanden täuschen. 
Wenn unsere Belgier in den Fabriken Deutschlands 
die Männer ersetzen, die die deutsche Front ausfüllen, 
ist das nicht das gleiche Resultat 1 ? Uebrigens, wenn 
unsere Männer dem Feinde nicht nützlich und not 
wendig wären, würde er dann den Familien derer, 
die den Arbeitskontrakt für ihn unterzeichnen, eine 
Unterstützung versprechen? 
Und von dieser Deportation, die entgegen allen 
menschlichen und göttlichen Gesetzen ist, hat man 
sagen können: „daß sie weder ein hartes Opfer für 
die Bevölkerung noch für das Land ist“! (Interview 
mit v. Bissing). 
Warum wir zu allen Protesten, die schon gemacht 
wurden, den unsern hinzufügen wollen und an euch 
richten? Weil die Frauen die Hüterinnen der Zivili 
sation sind, der das Verbrechen Hohn spricht. 
Frauen der nordischen Länder, die ihr in ruhiger 
Ueberlegung die Sünden wägt, und wie man sagt, in 
eurem Vaterland einen so großen Einfluß ausübt; 
Frauen des Südens, in großmütiger Entrüstung und 
wildem Mitleid; Frauen ferner Länder, für die Bel 
gien ein Unbekanntes war vor dem Krieg, aber die 
ihr über Bewunderung und Klage dazu gekommen seid, 
es zu lieben, — ihr alle, wer ihr auch seid und was ihr 
seid, hört unseren Schrei der Verzweiflung und ge 
währt uns die Gabe eurer handelnden Sympathie. 
Denjenigen, die den arbeitenden Klassen angehören, 
rufen wir im Namen der Solidarität der Arbeiter zu:
	        

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