Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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Serbiens haben von den ersten Tagen Instinktiv gefühlt, 
daß dieses Land nicht in ihrem Besitz bleiben würde. 
Deshalb entschlossen sie sich, Serbien unfähig zu ma 
chen, sein Dasein weiter zu fristen. Sie haben leider 
schon einen Teil ihrer Aufgabe erfüllt. 
Die Aufgabe der zivilisierten Welt ist es deshalb, 
sie zu verhindern, ihr infames Werk bis zum Schluß 
durch zu führen. 
Durchzug der deutschen Truppen. 
Es waren die deutschen Truppen, die anläßlich 
ihres Durchzuges durch Serbien im Oktober, November 
und Dezember 1915 das Beispiel dieser grausamsten 
Politik gaben. Diese Truppen begnügten sich nicht 
mit der ungeheuren Beute, welche das riesige Staats- 
vermögen darstellte, das in der größten Unordnung 
im Stich gelassen worden war; Beute, die nach den Ver 
sicherungen der deutschen Offiziere nur verglichen wer 
den konnte mit der, die man nach dem Durchbruch 
bei Gorlice in Rußland machte. Außerdem war das 
serbische Volk gezwungen, während mehreren Monaten 
diese zahllosen deutschen Legionen gratis zu unter 
halten, für die der Balkan nichts war, als ein Weg 
zum Durchmarsch der Eroberer nach Kleinasien. Der 
arme serbische Bauer wurde gezwungen, mit seinen 
geringen Mitteln die großartigen Pläne der deutschen 
Imperialisten zu unterstützen und an der Verwirk 
lichung dieses Projektes teilzunehmen. Alles, was für 
die Armeen notwendig war und oft auch, was nicht 
notwendig war, wurde sozusagen aus dem Mund der 
Bevölkerung gerissen, die besonders aus Frauen und 
Kindern bestand, und zwar ohne jede Schonung und 
ohne jedes Entgelt. 
Die wirtschaftliche Lage. 
Was die Deutschen nicht in „Ordnung“ zu bringen 
vermochten während ihres kurzen Aufenthaltes von 
einigen Monaten, das haben die Oesterreicher und 
Ungaren im Laufe von zwei Jahren vollkommen fertig 
gebracht. Die erste Tat der Besetzungsbehörden be 
stand darin, mehr als 150,000 Menschen der zivilen
	        
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