Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

Chef des Stabes des Militärgouvernements, dem Ober 
sten Kerschnave, eine Denkschrift zu überreichen. In 
dieser Denkschrift befinden sich nur sehr bescheidene 
Forderungen: Man verlangte zunächst die Methoden zu 
vereinfachen, die gegenwärtig langwierig und kompli 
ziert sind und denen sich die Bewohner Belgrads un 
terziehen müssen, um die Autorisation zu erhalten, im 
Innern des Landes zu reisen; sodann diese Autori 
sation nicht nur einigen privilegierten Spekulanten zu 
geben, sondern allen denen, die nötig hätten, etwas 
Lebensmittel heimzubringen. Man bat außerdem, die 
Verwaltung, die Politik der Minimalpreise zu ändern. 
Und schließlich bat man um die Erlaubnis für die Bel 
grader Gemeinde selbst, das bestimmte Quantum an 
Rindvieh einzukaufen, das dazu bestimmt War, ge 
schlachtet zu werden, um die Militärintendantur zu 
verhindern, mit diesen Lebensmitteln zu spekulieren. 
Herr Veljkovitscli wurde so mißhandelt, daß er sich 
gezwungen sah,,seine Demission zu verlangen. Selbst 
verständlich macht man noch weniger Federlesens mit 
Sozialisten. Als einer unserer Genossen, der Gemeinde 
rat Mika Spasojevitsch, sich letztes Jahr erlaubte, in 
sehr gemäßigten Worten diese Politik der Untätigkeit 
zu kritisieren und Brot fürs Volk zu verlangen, wurde 
er sofort verhaftet und in Ungarn interniert, obwohl 
er über siebzig Jahre alt ist. 
Die politische Situation. 
Die politische Sklaverei kommt hinzu, um ganz 
logisch das wirtschaftliche Elend des besetzten Ser 
biens zu vervollständigen. Keine Form des gemein 
samen Lebens ist in Serbien in diesem Augenblicke 
möglich. Alle Vereinigungen, Berufsorganisationen, 
Genossenschaften, Wohltätigkeitsvereine mit inbegrif 
fen, sind verboten. 
Die serbischen Lettern dürfen im öffentlichen 
Handel und von der Post nicht angewandt wenden. 
Man braucht nicht hinzuzufügen, daß jede politische 
Tätigkeit untersagt ist, da es selbst äußerst gefährlich 
ist, zu sagen, was man denkt, oder gar unabhängige
	        

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