Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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faltung zu bringen, daß sie in den reifen Jahren un 
gebrochen und vom unbedingten Willen zur tatsäch 
lichen Verlebendigung ihrer Forderungen beseelt, 
sich auswirken könne. Trotzdem, oder vielleicht 
gerade deswegen, standen diese Ziele und Aufgaben 
der Jugendbewegung in ihren Endkonsequenzen im 
schärfsten Gegensatz zu den Grundlagen des heutigen 
gesellschaftlichen und staatlichen Lebens. Der Flügel 
der geistig Entschiedenen in der Jugendbewegung 
stieß zunächst sogar in der Jugend selbst auf starken 
Widerspruch: Man wollte sich in so frühen Jahren 
vielfach noch keine geistige Verantwortung aufbürden 
lassen, man war geneigt, sich mit der persönlichen 
Selbstbefreiung zu begnügen; noch wurde das Nahen 
der Katastrophe nur von wenigen — und auch von 
diesen nur unklar — empfunden. 
Die Entschiedenen hatten also gegen zwei Fronten 
zu kämpfen. Sie ließen sich aber nicht beirren. Und 
wenn man heute den einen (und einzigen) Jahrgang 
des „Anfang“ durchblättert, der „nur“ von Schülern 
geschrieben und herausgegeben wurde, so ist man er 
schüttert von dem reinen Willen, der feurigen Festig 
keit und dem hohen Verantwortungsgefühl dieser 
Jugend. Dabei war der „Anfang“ nur der bescheidene 
Widerhall, die öffentliche Stimme all jener über viele 
Städte und Länlder verzweigten Jugendorganisationen 
zur tätigen Selbsthilfe der Jugend. 
Der Krieg hat alledem vorläufig ein Ende gesetzt. 
Der „Anfang“ verstummte: er machte den Blutrausch 
des Krieges nicht mit. Aber wais von ihm geleistet 
worden ist, ist nicht umsonst geschehen. Die noch 
Lebenden arbeiten in der Stille weiter. Man lasse 
sich nicht durch diejenigen täuschen, die heute in 
breitester Oeffentlicbkeit eine chauvinistische „Jugend 
bewegung“ vertreten und die Jugend und ihre neuen 
Ideale gewissenlos verraten haben. Keine Unter 
drückung uhd keine Verfälschung wird hemmen kön 
nen, was eine bis zum Aeußersten entschlossene Ju 
gend in Wahrheit will.
	        

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