Full text: Zeit-Echo (3(1917), 1. und 2. Maiheft)

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nicht vernichtet werden. Immer wieder richtet er sich weithin sichtbar 
auf in Einzelnen und in kleinen Gruppen, den Frühen, den inspirierten 
Eingeweihten der menschlichen Freiheit, jenen die nie Vergleiche mit der 
Macht des Ungeistes schlossen, und die, märtyrerhaft geschmäht und ver 
folgt, noch im quallvollsten Tode verkündeten, daß sie Söhne der Idee waren. 
Es gibt nichts, das heute allen Menschen der Erde, allen, so klar 
geworden ist, als die Idee der Freiheit, der Bruderschaft und des Mit 
menschentums. Dieser Erde ist es so unglaublich schlecht gegangen, sie 
hat so nichts mehr zu verlieren, sie ist so verschwistert mit der Verzweif 
lung, daß endlich auch der Träge und Böswillige als Heilung erkennt, 
was früher nur erhabene Seelen, unter aller Gefährdung ihrer Sicherheit, 
in eine stählern feindliche Welt zu künden wagten. 
Wen schaudert der Rückblick nicht? zu sehen, daß durch Jahrhun 
derte unsere Brüder gehetzt, gemartert und als tolle Störer der Gesellschaft 
ums Leben gebracht wurden, Menschen, deren Gemeinschaftspläne (um nur 
einen zu nennen: Thomas Morus) wir längst als selbstverständlichste Vor 
aussetzung nehmen, während das Chaos ihrer Zeit uns als irrsinnig er 
scheint. 
Auf einem neuen Erdreich werden diesen die Heldenmale gerichtet 
werden, und das Bruderhaus der Menschheit wird eine Gedenkschrift 
haben: ,,Zum Gedächtnis der Wiedertäufer, hingerichtet für ihren Kampf 
um eine bewußte Menschengemeinschaft aus dem Geiste.“ — 
Es ist nicht Zeit, diese Revolution im Osten zu betrachten. Betrachtet 
nur erst euch selber, ihr geübten Betrachter! Betrachtet eure Voreltern, 
Eltern, Verwandten, Frauen, Bräute, Freunde — ob sie so gläubig mut- 
voll hingegebene Kameraden einer Idee waren, wie die dort drüben lange 
Jahre, erbittert und langmütig weiten Herzens! Betrachtet euch, ob ihr, 
ohne Rentabilitätsversprechen, ob ihr geistig das gewagt hättet! Es ist 
nicht mehr Zeit, zu betrachten. 
Es ist Zeit, vor dieser Neuordnung des Ungeordnetsten sich auf sein 
Gewissen zu besinnen. Auf die eigenen sittlichen Fähigkeiten. Auf den 
eigenen Trieb zur unbedingten Hingabe an das Geistige. Auf die eigene 
Kraft zur Entfaltung des Willens für die Idee vom Mitmenschen. Für die 
Idee allein? Für die Tatsache vom Mitmenschen! Und welche Tatsache 
kennt die Welt heute besser, als daß jeder Mensch das Recht auf Existenz, 
Platz, Leben hat, nicht anders als du selbst. So weit sind wir endlich. 
Selbst in den Regierungshäusern des Erdballs. 
Es ist Zeit, das Wort vom Mitmenschen laut auszusprechen. Aber
	        
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