Full text: Zeit-Echo (3(1917), 1. und 2. Maiheft)

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len. Mit allen Fähigkeiten des neuen Auges hat der Maler heute wiederum 
Vorbilder in die Öffentlichkeit zu zeichnen. Vorbilder für die Aufpeitschung 
und die Aufrichtung, in denen kein Stück der Kcmpositicn aus Gefällig 
keit und Formenspaß gemacht ist, sondern jede Form die Tatsache eines 
Dinges vertritt, das den Menschen wesentlich ist. Und es gibt hier das 
große, den Ateliers ncch sc unbekannte Mittel, das längst allen Völkern 
bekannt und vertraut ist und auf“ sie unendlich aktiver wirkt als die 
empfindungsreichste Spezialität der Kunstsalcn-Maler: Dies ist die Malerei 
der Propaganda für und gegen. Erinnert euch an die Reklame-Prospekte 
der Geschäftshäuser mit den Zeichnungen „Vor dem Gebrauch — nach 
dem Gebrauch!“ Was dort von Dilettanten entworfen, kindlich ausgefühit 
schon auf hunderttausend wirkte, wie wird es erst Menschen umschafftn 
im Antrieb wahrer Fähigkeiten, in der Kraft der Erfindung, schöpferisch. 
Heute gilt das ungeheure Werk Giottos als Kunst. Aber zur Zeit, da 
es geschaffen wurde, war es genußlosestes, erhabenstes, verantwortungsvoll 
stes Vorbild für eine Nachfolge vom Heiligenleben des Franziskus unter 
allen Menschen, die Augen hatten zu sehen. 
Und nun, Dichter und Maler, ihr habt euch zu stellen. Entweder ihr 
arbeitet für die Rente; dann wundert euch nicht, wenn ihr nächstens noch 
bei lebendigem Leibe nach Verwesung stinkt. Oder ihr arbeitet für die 
Menschheit, dann habt ihr Vorbilder zu entwerfen, nach denen Hundert 
tausende sehnend zielen werden, Vorbilder über euch hinaus, und ihr 
werdet euch eines Tages mit dem Musiker verbündet sehen, diesem bisher 
idiotischesten aller Selbstgenußparasiten, der euch seine hohe Messe bringt, 
unzweifelhaft mit dem ersten Hauptstück unzerbrechlichster Festigkeit: <5f 
in terrapax; und der aus den neuen, von euch geformten Menschen seinen 
Chor aufstellt zur singenden Aufweckung der Gemeinschaft.
	        
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