Full text: Zeit-Echo (3(1917), 1. und 2. Juniheft)

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die ganze Sache der Befreiung wieder zugrunde richten kann. Besonders 
die Vertreter der Mehrheit sind taktlos und despotisch. 
Serjoscha also, der sich trotz seiner ihnen unverständlichen Reli 
giosität ihre Achtung und ihr Vertrauen erworben hat, hat viel mit ihnen 
gesprochen; er bemühte sich, sich auf ihren Standpunkt einzustellen und 
ihre Redeweise zu gebrauchen. Sie baten ihn, seine Ansichten gedruckt 
darzulegen. Er schrieb sie darauf in Form eines Aufrufs nieder und ver 
öffentlichte ihn gleich dort in der „Tulskaja Molwa“! Jetzt hat er ihn 
hieher mitgebracht und wird ihn, nach einigen kleinen Korrekturen, den 
hiesigen Zeitungen zur Veröffentlichung geben. Ich werde eine Kopie an 
die Adresse von Sascha S. schicken, und bitte eine englische und vor 
allem eine deutsche Übersetzung machen zu lassen, die in den Zeitungen 
verschiedener Länder, womöglich auch in Deutschland und Österreich 
veröffentlicht werden sollte. Wenn es nicht anders geht, dann wenigstens 
in der Schweiz. 
Serjoschas Aufruf ist natürlich nicht von unserem grundsätzlichen, 
religiösen Standpunkt aus geschrieben, sondern von einem utilitaristischen, 
der im gegenwärtigen Augenblick allein anwendbar und praktisch ist und 
außerdem unseren religiösen Anschauungen nicht widerspricht. Es ist 
notwendig, mit allen Mitteln, so schnell wie möglich Beziehungen zu den 
Sozialdemokraten der uns feindlichen Länder anzuknüpfen, um der furcht 
baren Katastrophe vorzubeugen, die entstehen könnte, wenn einige blöd 
sinnige Marxisten fortfahren vor .... zu dienern und wie bisher für 
die Fortsetzung des Krieges einzutreten. Vor einigen Tagen erfuhren wir 
z. B., daß in einem deutschen Wahlkreis über diese Frage abgestimmt 
wurde, wobei 14,500 Stimmen für den Krieg und nur 4000 Stimmen für 
den Frieden abgegeben wurden. Das sind in Wahrheit die Verräter an 
den Interessen des arbeitenden Volkes. Wo ist ihr Kampfruf gegen den 
Militarismus geblieben? Die Losung: „Proletarier vereinigt euch“ sollten 
sie von ihren Fahnen entfernen und durch ein „entzweit euch“ oder 
durch die alte imperialistische Devise „ über alles!“ ersetzen. 
10. März. 
Liebe Freunde, ich fahre fort. Olja arbeitet buchstäblich Tag und 
Nacht, besucht die Gefängnisse, veranlaßt die Freilassung unserer Freunde 
(jetzt sind alle — hier in Moskau gegen 80 Personen — freigelassen 
worden), kümmert sich um die Unterbringung der Kranken (vor allem 
der Tuberkulösen, Rheumatiker usw.) in Krankenhäusern und Sanatorien.
	        
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