Full text: Zeit-Echo (3(1917), 1. und 2. Juliheft)

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Otto c Freundfi(£: DER BAU 
Zwischen Euch gehe ich, Ihr Heiligtümer der Welt, die Ihr Menschen 
seid, und glaube an das ewige Licht in Euch. Menschenleib, tief glüht 
mein Glaube um Dich. Umstellt habe ich Dich Tag und Nacht mit meinem 
Nimmerschlaf, Dein Erglühen fällt in sein waches Hoffen, umstellt habe 
ich Euch, Ihr Altäre, mit Flammenbecken, kleinen und großen, Eurem 
Leibe entwachsen sie, wie betende Arme, in offenen Händen sollen die 
erweckten Flammen getragen sein. 0 Altäre, Säulen errichtete ich um Euch, 
unsichtbar dem verschlossenen Blick, sichtbar aber werden sie sein Euren 
Blicken, die aus der Grenze des Leibes herausgetreten sind. Ihr selbst seid 
ja die Säulen, Ihr Altäre, auf Eurem Leib wurzeln alle Fernen, und die 
sind die Säulen des Tempels. Mensch, Du bist der Altar, Du bist der 
Säulenwald des Tempels. Hoch über Dir steht Deine tragende Kraft und 
gipfelt in freiem Wachstum im Scheitel des Himmelsdaches. Baumeister 
bist Du und Schmücker dieser Dome, die nicht aus Stein, noch Eisen, noch 
Glas errichtet werden. Gefügig aber wird der Stein werden, wenn Ihr er 
richtet habt das Urbild des Tempels über Euch, um Euch, die wandelnde 
Kirche jedes Ich: denn über jedem Leibe, neben ihm, um ihn, sind alle 
Stufen lebendig, die verklammert sind mit der Unendlichkeit. Steigt hinein 
in das Umgebende, Leiber! Baut Adern in den Himmel zwischen Euch, 
dann wird Euer Blut weit beheimatet sein und seine pochende Lust springt 
über in die reinen Gefilde Eurer Verbrüderungen. Der enge Raum seines 
Fleischgehäuses wird Rinnsal vertausendfachten Lebens sein, und Leben 
beglücktes Heimkehren vom Wegebau. 
Wie aber reißt der Sinn sich empor aus der Rennbahn des Ich; wie 
schafft er seiner Wagnis Hebel und Gestaltung, daß Joche steigen zwischen 
allem Erschaubaren, Brücken werden und schicksalsgeliebte Überführungen. 
Es steht ein Ruf in der Luft, der kündet dem Auge eine neue Wissen 
schaft, und ehe das Auge sein neues Schauen findet, wandert schon der 
Geist der Liebe dem Rufe nach und wird Speise den Pilgern, die schauend, 
tastend, wagend die Farmen des Leibes verließen. 
Am Ufer des Meeres stehend, wird sein Leib Gares Leibes Überhöhung, 
eingeschnitten seid Ihr in das gewaltige Diadem, das der Himmel randet. 
Im Raume geht Ihr und steht Ihr, entspinnend lichte Tragen Eurem 
Leibe, wird nun sein Mahnen wahr, und den erschlossenen Häusern ent- 
wandern beseeligte Sucher und Finder. O Treffpunkt. Ferner; entlastete 
Begegnungen, feine Organe, die einst verwesten im derben Leibesbau, 
jetzt entfaltet seid Ihr Schwingen und aller Fernen Mittler. Ihr fühlt jede
	        
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