Full text: Zeit-Echo (3(1917), 1. und 2. Juliheft)

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im Unterschied zur wissenschaftlichen — durch die Symbole ihrer Einheit 
und ihres Friedens die idealistische Sehnsucht des Geistes, der diese Schön 
heit selbst erzeugt hat, nach den ewigen Zielen seiner Bestimmung aus. 
Aber diese Sehnsucht ist noch keine Tat; und jene Schönheit der geist 
und menschgewordenen Natur wird zum Verhängnis, wenn sie uns nicht 
zum Aufbruch, zur strebenden Bewegung, zur Handlung aufruft. 
Höher als alle ästhetische Anschauung der Natur, die uns das mensch- 
heitliche Wesen symbolisiert, unendlich höher steht die sittliche Aufgabe: 
dieses Wesen durch unausgesetzte, immer von neuem rein aus ihrem Urquell 
entspringende Tätigkeit wirklich werden zu lassen und in der Bildung mensch 
licher Gemeinschaft darzustellen. Von dieser höheren Stufe der Erkenntnis 
aus ist die ganze Natur, der in Zeit und Raum unendliche Kosmos einzig 
und allein des handelnden Menschenwesens wegen da als Material seines 
Willens, dem alle Schicksalsmächte zur Unterwerfung unter den Geist über- 
antwortet werden. Nicht zum Kampfe gegen sich selbst darf der durch 
Vernunft erleuchtete Wille der Menschheit gerichtet werden, sondern allein 
zum Kampfe gegen den Ungeist der Natur, deren Gewalten in dem Augen 
blick von ihrer eigenen Blindheit erlöst werden, in welchem sie in den 
Dienst der moralischen Menschheit gebannt worden sind. — 
Das gegenwärtige Schicksal hat alle Energien des Menschengeschlechts 
auf die Vorbereitung des Unterganges gerichtet und in das Gegenteil ihrer 
wahren Bestimmung verkehrt. Die Idee der Menschheit ist der brutalen 
Verhöhnung und dem Fluch der Erniedrigung ausgesetzt. Die ungeistigen 
und naturhaften Zerlegungen des an sich einheitlichen Geistes haben die 
Macht an sich gerissen und sind zu den gebietenden Bestimmungen unseres 
Schicksals geworden. An Stelle der Liebe, die alle Trennungen überwindet, 
menschheitlichen Zusammenhang erschafft und Gemeinschaften des Geistes 
bildet, ist Haß und Zwietracht getreten, aus deren dunklem Raum die Not 
der Einsamkeit und der Verbrechen geboren wird. 
Aber der Geist der Menschheit, so sehr auch das Leiden ihn entstellt 
und verwundet hat, ist gleichwohl wach und wartet. Aus dem Widerspruch 
zur Macht des Ungeistigen wächst seine Kraft zur Tat an. Mitten auf dem 
verwüsteten Kampfplatz der Zerstörung selbst richtet er sich auf, um sein 
Werk der Liebe zu beginnen. Mitten unter den Völkern, die nichts als ihre 
Gegensätze vor den Augen haben, wird er sich in einer einigen und freien 
Gemeinschaft entfalten, die ganz und gar von seinem reinen Wesen erfüllt 
und verklärt ist und aus diesem Reichtum des Willens heraus das Chaos 
der Vergangenheit zersprengen wird.
	        

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