Full text: Zeit-Echo (3(1917), 1. und 2. Juliheft)

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So setzt es Leben für das Beispiel ein und tritt aus seiner Stumm 
heit schon gefaßt heraus. Stolz und unbefriedigt, überaufgefüllt und un- 
erlöst: platzt einmal geistige Entscheidung aus ihm auf, schmerzlich und 
donnernd, aber durchdringend zu der großen Unbedingtheit Menschlichkeit. 
Sie ist Erfüllung dieses Geistes. 
Hier glückt er, unter den Strahlen der menschlichen Liebe. 
Was das Wissen vernachlässigt, die Kritik in Bedingungen umhüllt, 
überströmt den neuen Geist restlos und innig, denn er ist rein. 
Wehen die Ballaste des Wissens und der Zweifel auf: ich bin Mensch 
und liebe. 
Ich bin Geist, und liebe. 
Meine Handlung ist Geist, und ich liebe. 
Tat befreit Gefühl, und meine Handlung gibt mir einen Bruder. 
Geist, der geschieht, öffnet immer die Arme an die Horizonte. 
‘Franz QLfemfert: 
ES IST NICHTS GESCHEHEN 
Die deutsche Sozialdemokratie demonstriert wieder einmal. „Gegen die 
Ausbeutung und Entrechtung der Massen.“ „Für Freiheit und Frieden.“ 
„Gegen den Krieg.“ In Berlin allein brachte sie nahezu eine Viertelmillion 
Demonstranten auf die Beine. Mit Genehmigung der Polizei hatten sich 
Hunderttausende in Treptow versammelt, um „einstimmig“ die Resolution 
anzunehmen, die vorgeschlagen worden war. Es war imposant usw. 
Jetzt nun möchte ich einen Augenblick mit dem Feuer spielen: seit 
heute früh sind Deutschlands Kriegslustknaben am Ziele ihrer Wünsche. 
Der Krieg ist da. Was soll jetzt im Namen der Kultur geschehen? Was 
muß geschehen? Die Demonstranten aus Treptow sind uns ja als eine 
„Garantie des Weltfriedens“ offeriert worden; was werden sie nun tun? 
Mit Resolutionen macht man Gewehrkugeln nicht zu Kinderspielbällen. 
Demonstrieren ist überhaupt unmöglich, der Polizeipräsident, gestützt 
auf die Ausnahmegesetze, die seit heute früh gelten, untersagte die Ver-
	        

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