Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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Romancier unter Geisteskämpfen und unter äußerstem, sozialistischem 
Denken vor? Der Feind, der Großkapitalist, ist vor Jahren selbst Prole 
tarier gewesen, und hat die ersten vierhundert Taler, die den Grund 
stock zu den späteren Millionen und zu seiner (vom Staat mit Polizei 
und Militär betreuten) Fabrikstadt legen, einem proletarischen Arbeits 
kameraden durch schmutzige Manöver entlockt. Und dazu noch nie 
zurückerstattet. Dieser Millionär weigert sich auch viele Jahre später, 
während der Hochblüte seines Betriebs, das Geld dem alten Kameraden, 
der eine erbärmliche Proletarier-Arbeitsstelle in demselben Betrieb hat, 
zurückzugeben. Das ist die Voraussetzung des Buches, die auf kompli 
ziertem Wege, auf Hunderten von Romanseiten enthüllt wird. Diese 
Voraussetzung ist zu dumm. Der junge Arbeiter aber, dieser neue Fabrik- 
Bakunin, will dem Fabrikherrn das erlistete Geld entreißen, mit Zinsen: 
Kapital und Zins — der Zins ist das Fabrikwerk — „wieder“ in den 
Besitz der Arbeiter bringen, von denen es stammt. Um die Fabrik 
„wieder“ zum Eigentum der Arbeiter zu machen (man liest richtig, zum 
„Eigentum“), will er Rechtsanwalt werden. Denn es existiert ein alter 
Brief des Kapitalisten, in dem die Vierhundert-Taler-Schuld an den 
greisen Arbeiter bestätigt wird. (Man liest richtig: ein alter Brief.) Um 
Rechtsanwalt zu werden, lernt er Latein. Seine Lateinkenntnis erweckt 
radikale Hoffnungen in der Arbeiterschaft. Daß er aber Latein lernt und 
den alten Brief besitzt, das erwirkt in geheimem, nächtlichen Gespräch 
der Syndikus und eigene Schwager des Kapitalisten, der Familienintrige 
treibt. Zudem hat die Schwester des jungen Arbeiters ein Verhältnis mit 
einem Sohne des Kapitalisten und will Kokotte werden. Auf Grund dieser 
Fabel (es ist wirklich eine Fabel, kindischer kann sie nicht mehr werden) 
ist natürlich nicht die benötigte Arbeiterrevolte möglich. Jedoch: der Kapi 
talist, die Polizei, das Militär, ein Irrenhaus und ein bestochener sozial 
demokratischer Führer kreisen den jungen Arbeiter ein, um ihn am Latein 
studium zu hindern. Da geht es los. Zum Schluß kommt der Weltkrieg, 
und alles hatte keinen Sinn. (Was stimmt.) Aus dem Gewoge schwebt 
der wirkliche Freiheitsheld empor, ein fünfzehnjähriger, feiner Junge, der 
alle Gefahren rechtzeitig errät und verhütet, und der die Schwester des 
Arbeiters wahrhaft liebt; es ist der Sohn des Syndikus. — Dieser ent 
setzliche Schund (der in jedem beliebigen Stile geschrieben sein konnte, 
aber, nicht gerade überraschenderweise, in modernisiert kurzgefaßterer 
Sprache, nach Art der ungebeten zutraulichen Schreibmache des alten, libe 
ralen Spielhagen abgefaßt ist), dieser grauenhafte Meisterschund: zeigt die
	        
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