Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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Wenn ein alldeutsches Annexionistenblatt heute in Prosa solche 
blutigen Vorschläge zum Friedensschluß machen würde, wäre es am Tage 
darauf verboten. — 
Diese Verse hier über den erfolgreichen Heerführer: 
„Da entstieg, gestützt 
Auf seinen Stock, farblosem Vororthaus 
Der fahlsten unsrer Städte, ein vergeßner, 
Schmuckloser Greis . , . der fand den Rat der Stunde 
Und rettete, was die geberdig Lauten 
Schließlich zum Abgrundsrand gebracht: das Reich . . . 
Doch vor dem schlimmren Feind kann er nicht retten.“ 
Wer ist nach George der schlimmere Feind? Er sagt: die Menge. 
„Menge ist Wert; doch ziellos; schafft kein Sinnbild; hat kein 
Gedächtnis.“ 
Soviel gegen die Demokratie. Man kennt das. 
Aber nur eine Entstellung der Wahrheit und ein Hieb zur Entwertung 
einer übernationalen Idee: 
„Sie troff im Schwatz von Wohlfahrt, Menschlichkeit, 
Und hebt nun an das greulichste Gemetzel . . . 
Nach Speichel niedrigster Umwerbung: Geifer 
Gemeinsten Schimpfs! . . . Und was sich eben hetzt, 
Umkröche sich geschmiegt, wenn sich erhöbe 
Furchtbar vor ihm das künftige Gesicht.“ 
Halt. Wer hat Geifer gemeinsten Schimpfs ausgestoßen? Wer hat 
gehetzt? Die „Menge“? Wer begann das Gemetzel? Die Menge? Nein, 
die „Menge“ troff im „Schwatz“ von Menschlichkeit. Und sie wurde aus 
dieser in Wahrheit ganz zart beginnenden Menschlichkeit zum „greulichsten 
Gemetzel“ gehetzt, nicht allein durch Geifer gemeinsten Schimpfs, sondern 
auch durch Geifer gemeinster Lüge. 
Dieser vornehme Seher, der die Menge verachtet, weil sie gehetzt 
werden kann, hat an seiner ersten Aufgabe vorbeigelebt, der einzigen Auf 
gabe eines Sehers: Die Hetze von der armen, leidenden Menge ab 
zuwenden, die Menge zu enthetzen. Und sie Menschlichkeit zu lehren. 
Seine Sache ist, doch seine größte bis zum Tode, daß die Lehre von der 
Menschlichkeit kein „Schwatz“ wird.
	        
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