Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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Bauer: Du redest wie ein Kind. Er hat doch Geld, er dingt Ar 
beiter, und die ackern und bauen. 
Fremder: Aber die Arbeiter, die sind doch wohl auch Leute 
von euch. 
Bauer: Einige sind von hier, einige sind Fremde. 
Fremder: Aber es sind doch lauter Bauersleute? 
Bauer: Gewiß, es sind Leute von uns. Wer soll denn sonst arbeiten, 
außer den Bauern? Gewiß, es sind lauter Bauern. 
Fremder: Und wie war’s, wenn die Bauern nicht für ihn arbeiten 
würden . . . 
Bauer: Einerlei, uns wird er das Land doch nicht geben. Mag das 
Land brach liegen, wir kriegen’s doch nicht. Wie der Hund auf dem 
Heu — weder frißt er’s selber, noch gönnt er’s andern. 
Fremder: Wie kann er denn das Land vor euch bewahren ? Es 
hat doch gewiß seine fünf Werst in der Länge? Kann er es denn be 
wachen? 
Bauer: Was ist das für Gerede! Er selber liegt auf dem Fell und 
setzt Fett an, aber er hat doch Wächter. 
Fremder: Aber die Wächter — die sind doch wohl auch Bauern 
wie Ihr? 
Bauer: Gewiß. Das sind auch Leute von uns. 
Fremder: Also bearbeiten die Bauern das Land für den Herrn 
und bewachen es dann vor sich selber? 
Bauer: Wie sollte das denn anders sein? 
Fremder: Es sollte so sein, daß keiner für ihn arbeitet und keiner 
sich als Wächter verdingt, dann wäre das Land frei. Die Erde ist von 
Gott, und die Menschen sind von Gott da, so mag jeder ackern, säen, 
ernten, soviel er braucht. 
Bauer: Wir sollten also streiken? Dagegen hat man aber Soldaten, 
mein Bester. Sie schicken die Soldaten her: eins, zwei, Feuer! — Die 
einen werden erschossen, die andern gefangen! Mit Soldaten ist nicht 
viel zu reden. 
Fremder: Aber die Soldaten sind doch auch Bauern? Warum 
schießen sie denn auf ihre eigenen Leute? 
Bauer: Und ihr Eid? 
Fremder: Eid? Was ist das, ein Eid? 
Bauer: Verstehst du denn die Sprache nicht? Eid — das heißt eben Eid. 
Fremder: Sie schwören also?
	        
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