Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

16 
Baueir: Gewiß doch. Der Soldat schwört beim Kreuz und den 
Evangelien, für Thron und Vaterland sein Leben einzusetzen. 
Fremder: Aber ich meine, das sollte man nicht tun. 
Bauer: Was nicht? 
Fremder: Man soll nicht schwören. 
Bauer: Wie soll man nicht schwören, wenn es im Gesetz steht. 
Fremder: Nein, im Gesetze steht es nicht. Im Gesetze Christi 
heißt es ganz klar: Du sollst überhaupt nicht schwören. 
Bauer: Oho! aber die Priester? 
Fremder (nimmt das Buch, schlägt auf, sucht die Stelle und liest): 
„Es ist gesagt worden: Du sollst deinen Eid halten, Och aber sage 
euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sofft. Eure Rede sei: ja, ja; 
nein, nein; was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Matth. V. 34, 37.) 
Nach dem Gesetz Christi darf man also nicht schwören. 
Bauer: Aber ohne Eid, da gäbe es ja überhaupt keine Soldaten. 
Fremder: Wozu braucht man denn die Soldaten? 
Bauer: Wozu? Wie wird das aber, wenn unseren Zaren fremde 
Zaren überfallen — was dann? 
Fremder: Die Zaren fangen selbst Streit an, da sollen sie auch 
selber miteinander fertig werden. 
Bauer: Ja — a! Wie ist das möglich! 
Fremder: Es ist so: Wer an Gott glaubt, der wird keine Menschen 
töten, man mag ihm sagen, was man will. 
Bauer: Warum hat also der Pope in der Kirche den Erlaß ver 
lesen, als der Krieg begann, alle Reservisten müßten sich stellen? 
Fremder: Das weiß ich nicht, ich weiß nur, daß es im sechsten 
Gebot ausdrücklich heißt: Du sollst nicht töten. Es ist also verboten, 
daß ein Mensch den anderen töte. 
Bauer: Das ist im Frieden. Aber im Krieg geht es nicht. Da sind 
die Feinde da. 
Fremder: Nach dem Evangelium Christi gibt es keine Feinde, man 
soll Alle lieben (schlägt das Evangelium auf und sucht). 
Bauer: Lies doch vor! 
Fremder (liest): „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: 
Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. 
Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts 
schuldig.“ Und dann heißt es auch: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: 
Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.