Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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Die beiden verstanden keines seiner Worte. Hörten nur das fanatische 
Bravogebrüll von der anderen Seite herüberklingen. 
Hoch auf dem Maste, knapp unter dem weißviolett leuchtenden Bogen- 
lampen-Dreistern, hing ein Zwanzigjähriger. Mit wilder Körpergebärde. 
„Den werden sie herunterknallen.“ 
In der Allee stand eine lange Reihe Fuhrwerke, die den Platz nicht 
überqueren konnten. 
Plötzlich hing an Stelle des Zwanzigjährigen hoch am Lampenmaste 
ein flatternder, roter Fetzen. 
Das tausendfache Jauchzen wurde von den im Laufschritt ankommen- 
den Truppen auseinandergeschnitten. Die Menge — junge Burschen und 
hauptsächlich Frauen mit aufgelösten Gesichtern — wich durch das drei 
teilige Tor und in die Parkanlage zurück. 
Eine knabenhaft hohe Kommandostimme. Klatschen auf Gewehrkolben. 
Drohendes Gelächter. Fliehende, dunkle Rücken. 
Eine Frau mit loderndem Antlitze trat vor: „Schießt! Schießt!“ Sie 
wurde verhaftet. 
Der Kellner stand dicht beim Leutnant und sah ihm in die Augen. 
Als der Philosophiedoktor und der Rechtsanwalt den Platz schon ver 
lassen hatten und sich umwandten, sahen sie, wie ein Soldat am Lampen 
maste emporkletterte und die Hand nach dem roten Fetzen ausstreckte. 
„Es ist doch nicht unmöglich, daß die revolutionäre Geistigkeit das 
letzte, entscheidende Wort haben wird“, sagte der Anwalt. 
Sie gingen eilig durch eine menschenleere Geschäftsstraße; nur in der 
Ferne rannte ein dunkler Frauentrupp davon. 
„Leider ist die revolutionäre Geistigkeit, bis auf zwei oder fünf halb 
verhungerte Vertreter, die gleich Irrsinnigen in einem Blut- und Lügen 
meere ohne Balken machtlos herumschwimmen, schon in den Massen 
gräbern oder in den Zuchthäusern. Das muß zu ihrer Ehrenrettung den 
kommenden Generationen gesagt werden .., Hier! Sehen Sie, hier!“ 
Das Schaufenster war eingeschlagen; der Lebensmittelladen leergeplün 
dert. Frauen hatten die Gelegenheit, daß Polizei und Truppen auf dem 
Platze beschäftigt waren, schnell benützt. 
„Das ist nackter Hunger, kein revolutionärer Geist“, sagte der Philosoph. 
Und hob einen geräucherten Fisch von der Straße auf. „ .. .Wegen des 
Fisches und auch aus Kameradschaftlichkeit.“ 
Er schob ihn unter seinen schwarzen Havelock. „Dieses rapid ins 
Geldverdienen hineingeratene Volk hat, aus einem ödem Materialismus
	        
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