Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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heraus, vor dem Kriege »Hoch* geschrien, bei Kriegsausbruch nichts 
als ,Hoch‘ geschrien. Und jetzt schreit es nur deshalb nicht mehr .Hoch*, 
weil der Magen schreit.“ 
„Wenn aber in jenem entscheidenden Moment die Führer nicht abge 
schwenkt wären, in das Lager, das sie bis dahin bekämpft hatten ? Dann 
würden . . . wenigstens die organisierten Massen schon lange in den 
Protest hineinmarschiert sein, ebenso geschlossen, wie sie in den Krieg 
marschiert sind.“ 
„Und ebenso ahnungslos, wie sie in den Krieg marschiert sind ... 
Daran können Sie das menschenunwürdige und überaus gefährliche System 
einer Organisation erkennen, die ihre Mitglieder nur für den Klassenkampf 
um materielle Vorteile drillt, sie in allen Städten jährlich in dreihundert 
fünfundsechzig Parteiversammlungen nur zum Durchbringen von Resolu 
tionen im politischen Parteiinteresse benutzt, anstatt sie .. . geistig zu 
befreien, sie zu denkenden Menschen eigener Entschlußfähigkeit für das 
Gute zu machen . .. Da braucht sich im entscheidenden Moment nur der 
Hauptführer als Dummkopf zu erweisen, braucht nur der Hauptführer 
zum Verräter zu werden und die ... organisierten, denkunfähigen Massen 
schwenken mit ab, folgen ihm in den Krieg, ebenso geschlossen, wie sie 
ihm in den Protest gefolgt wären ... Die Geistigkeit ist verurteilt, untätig 
am Rande dieses Krieges zu verharren. Denn zwischen ihr und dem Volke 
besteht nicht der geringste bewußte Kontakt. Und selbst der Tod 
der Millionen konnte bei den Hinterbliebenen nicht den geringsten geistes 
verwandten Gefühlsprotest auslösen. Nur der Magen protestiert. Das ist 
Materialismus. Christus und Kant, Schiller und Goethe sind vor dem 
Kriege für eine Leberwurst, für drei Mark Wochenlohn mehr, für eine 
Wohnung mit Dampfheizung, für das Aufrücken in die ungeistige bürger 
liche Lebenshaltung, oder für das Verharren in ihr hingegeben worden. 
Materialismus: angefangen beim entseelten, maschinierten Fabrikarbeiter, 
über den vor Bequemlichkeit stinkenden Kanapeebürger und über den 
Kapitalisten, den modernen Philosophen und Dichter weg, bis hinunter 
zum ersten Diener des Staates. Hier haben Sie die Ursache des Krieges . . . 
Dieser gewaltige Block von Egoismus, Gemeinheit und granitener Dumm 
heit kann schwerlich von heute auf morgen gesprengt werden.“ 
„Und deshalb, meinen Sie, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als den 
Gashahn zu öffnen, wenn die Einberufung kommt?“ 
„Es gäbe noch etwas anderes: ich könnte (,weg von meinem Werke, 
weg von meinem Werke*) den Sprung in die blutnasse Gegenwart, den
	        

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