Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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öustav Scßufz: 
MORGEN ODER SCHON HEUTE. 
Was sein wird, hängt von uns ab. 
Die Welt ist nicht an sieh, sondern sie ist, wie sie von *uns ge 
macht wird. Darum darf ich vom kommenden Tag reden, von kommen 
den Dingen, denn ich werde das Meine dazu tun, und ich will euch 
beschwören das Eure zu tun. Ich und das Unmittelbare, wir sind Eins. 
Es ist immer da, es wartet geduldig bis ihr kommt. Wenn alle eure 
Mittel erschöpft sind, wenn ihr nackt seid in der Wüste und euch hinter 
kein Mittel mehr verkriechen könnt, wenn ihr, verschont von Hand 
granaten und Fliegerbomben, gerade deshalb noch Zeit habt, noch ge 
zwungen werdet (durch die um euch ratternden Maschinengewehre), 
warum? zu fragen oder auch nur mit einem ganz kleinen Zweifel zu 
blinzeln, so sitzt ihr schon in der Falle. Und wer hätte noch nicht 
geblinzelt? Jedes Blinzeln fragt: Warum? Und jedes Warum? ver 
urteilt und verwirft, denn das Ja sagt: ja! und tut ja! und hat kein 
Warum nötig. 
1. 
Es wird wieder Dichter geben. Nicht Menschen, die für Geld sich selbst, 
Andere und Begebenheiten sezieren, analysieren und paralysieren, sondern 
Menschen, die ein Gemeinsames schaffen helfen wollen, die Führer sein 
wollen weil sie müssen, weil sie vom Geist dazu vorher bestimmt sind. 
Künstler wird ein Schimpfwort sein. Wer wird sich noch Künstler 
nennen lassen? Die Hörigen der Zunft, die etwas gelernt haben, die 
etwas können, und die, wenn sie den Mörtel ihres Metiers auf eine 
eigene Art zu mischen verstehen, dir einreden, sie hätten dir etwas zu 
sagen. Der anständige Mensch wird in der nächsten Generation nur noch 
Mitmensch sein wollen. Mensch sein heiße Mitmensch sein. Mitmensch 
sein heißt geistig Revolutionär sein. Revolution ist ein Lebensprinzip. Ohne 
das kann man wohl Mensch sein oder Künstler oder Einsiedler oder Hoch 
stapler (bewußter und unbewußter), oder Genie, oder Prophet, oder 
Halbgott. Aber man ist dann auch gleichzeitig, ob man will oder nicht: 
Mitschuldiger. Oder wagt es jemand angesichts des Weltkrieges, Schuld 
an sich, Mitschuld an dieser Art Welt zu leugnen? Er mache dann 
die Probe aufs Exempel: er lasse sich gewaltsam in den Schützen 
graben schleppen, Granatsplitter in den Bauch jagen, die Gliedmaßen 
von Maschinen und Treibriemen zerschinden, in dumpfen Vorstadthöhlen
	        

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