Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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der auch der Leithammel von morgen sein wird, nicht der Führer, 
sondern in Wahrheit nur der Spieler der Massenbewegungen von 
morgen, er wird morgen gerade so unser Erbfeind sein wie heute. Denn 
Intensität des Lebens ist ihm ein Greuel, denn sie ist disziplinwidrig, 
man kann sie nicht vorausberechnen, hat sie nicht in der Hand, sie 
kennt ja keine Kompromisse, keine Ehrfurcht vor errungenen Positionen, 
weil sie aufs Ganze geht, und sich nicht scheut, Roßbälle der Ver 
achtung ins Parlament zu pfeffern. Dieser Führer, der eitel genug ist, 
sich für notwendig und darum von Gottes Gnaden zu halten, er ist 
der Verräter am Geist, denn^der kleinste Paragraph bedeutet ihm mehr 
Realität als alle Militärdienstverweigerer der ganzen Welt. Denn er 
kennt keine Ethik, keine geistige Macht (wenn er auch viel davon 
schwätzt), nur die Statistik, die Quantität, nur die Macht der Banken 
und des Portefeuilles. Die Aufgabe der „Geistigen“ im nächsten Jahr 
hundert ist, ihn auch äußerlich überflüssig und unschädlich zu machen. 
Der Mittler wird überflüssig durch Intensität des Lebens, durch direkte 
Aktion des Schaffenden. 
3. 
Der Politiker ist der Händler des öffentlichen Lebens. Der Händler 
in der Volkswirtschaft wird überwunden und ausgeschaltet durch die 
direkte Aktion des Schaffenden und der Verbraucher: durch den Sozialis 
mus und die sozialistische Genossenschaft. Der politische Mittler wird 
überwunden, abgeschafft und mit ihm der Staat durch die direkte Aktion 
und die Überwindung der Gewalt, durch die Intensität des öffentlichen 
Lebens, die nur Gleichheit kennt, Überzeugung, Überwindung, Über 
redung, Dezentralisation, Konföderation, aber keine Unterordnung. Dieses 
vorläufige Ziel wird erreicht durch das Mittel der „Revolution an sich“. 
Revolution heißt; ein überlebtes Prinzip durch ein neues ersetzen. Doch 
ehe es sich noch gänzlich durchgesetzt hat, ist es schon korrumpiert 
und muß selbst durch eine neue Revolution überwunden werden. Die 
Geschichte ist aber kein Aufeinanderpfropfen von Prinzipien; höchstens 
(und noch mit sehr starken Einschränkungen) eine immer wechselnde 
und immer reinere Ausdrucks weise für ewige Wahrheiten. Der Körper 
der Menschheit wird durch den Gebrauch, durch das Leben, durch die 
stete physische Verjüngung (mit jeder jungen Generation) sublimierter, 
und damit befähigter, dem Geist zu dienen, seine Befehle zu vollführen 
und so selbst durchgeistigt, „schön“ zu werden. 
Der Mensch aber muß dem Geist erst die Befehle abringen. „Herr,
	        

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