Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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MENSCHEN / BÜCHER / ZEITSCHRIFTEN 
Owan Go ff 
Hess die Dichtung „Requiem“ (bei Rascher & Co., Zürich 1917) erscheinen. 
Dieser Dichter ist in seinen Versen: ein europäischer Mensch. 
„O ihr Brüder alle! Tommies! Poilus! Bayern! Mudjiks! Bersaglieri! Hon- 
veds! Ihr alle einmal der Boulevard, der Festsaal, der Mob, der jauchzend 
ein Meer mich Welle umrauschte! 
Ihr Europäer! Antlitze von Milch und Blut! Jeder von einer herrlichen 
Mutter! Ihr alle, in denen ich das Symbol der ewigen Dinge sah: der Liebe 
im leuchtenden Auge, der Güte im lächelnden Mund und der Erkenntnis in 
der denkerischen Stirn! 
Ihr alle, von Erde und Sonne gespeist! Ihr alle in überirdischer Liebe 
gezeugt! 
Ich glaube nicht an euren Hass! Ich glaube nicht an euren Krieg!“ — Und: 
„O Arbeitersoldat, der Kriegsarbeit verschrieben! Du Schaffender, du 
Hungernder, du Leidender, du Sterbender! Du Bürger! Du Staat! 
Ich sehe die Blutfahne der Revolte noch, an einen Schlot gebunden, 
funkenbesternt: auf Halbmast!“ 
Will man wissen, wie sehr es ihm ernst ist: 
„O Eitelkeit der Heimat, 
Die unser erste Himmel umwölbte! 
O Eitelkeit der Kindheit, 
Mit Sternen und Narzissen bevölkert! 
O Eitelkeit der Familie, 
Um die die singenden Schwestern schwebten! 
O Eitelkeit des Werkzeugs, 
Das täglich unser Schicksal hämmerte! 
O Eitelkeit der Dichtung, 
Die uns auf lichter Welle schaukelte! 
O Eitelkeit der Liebe, 
Die uns die wächsernen Flügel gab! 
O Eitelkeit des Todes, 
In dem wir doch nur werden, was wir waren!“ 
Aus solcher Selbstbefreiung junger Menschen kommen die Kräfte der 
Zukunft. Diesen Anfang erlebt also die Mitwelt noch.
	        

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