Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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Diskussion des Kirchenmannes wird der Soldat mit Ekel abschütteln, denn 
er weiss: nichts steht im Wege, dass die Gegenseite mit denselben Argu 
menten Mofdpropaganda treibt. Aber unvergleichlich wertvoll ist der Rest 
des Traktätchens, dieser unvorsichtige Titel. Und überall, wo der Blick auf 
dieser Broschüre weilt, bleibt unvermeidlich das ungeheure Agitationswort 
haften: Kriegerzweifel! 
SCHWEIZER 
nennt seine sehr hochgebauten Gedankenverse „Aus der Brandung. Zeitgedichte 
eines Schweizers“. (Verlag von Huber <£ Co., Frauenfeld und Leipzig 1917.) 
Und während mich dieses Dichters freies Herz, das ebenso stark vom 
Wissen wie vom Gefühl getrieben wird, einmal zur Auseinandersetzung, viel 
öfter aber zur Bejahung drängte, kam mir gerade eine neue Schrift des 
unermüdlichen Militärphilosophen Max Scheler in die Hände, „Die Ursachen 
des Deutschenhasses“ (Verlag Kurt Wolff, Leipzig 1917). Es wäre gut, wenn 
festgestellt würde, in wessen Namen Scheler spricht. Er sagt „Wir“, und 
meint die Deutschen: „Wir sind und waren an erster Stelle Militaristen ein 
fach aus dem Grunde, weil es uns wohl gefiel, also zu leben, und nicht an 
ders.“ Ein anderes Mal schüttet dieser Paria der Philosophie seinen ganzen 
Sklavenhochmut über das „Medium des stark kuhglockenhaft gefärbten 
Friedens der deutschen Schweiz“ aus. Statt einer Beschwörung lasse ich 
den Schweizer Faesi sprechen: 
„Sie sind nicht mehr als Waffe, Nummer, Zahl. 
Die ärmste Krähe noch kommt frei geflogen, 
Der Bettler wählt sich seinen Brückenbogen 
Zum schlechten Bett nach eigner Wahl; 
Sie aber sind dem Raum, der Zeit entzogen: 
Sie stehn gerammt in einem blutigen Grunde 
Nicht anders als im Stachelnetz der Pfahl; 
Ihr Zeiger zeigt nicht ihrer Seele Stunde, 
Sie sind ein Rad im Räderwerk der Qual.“ 
Und wollt ihr wissen, wie der Schweiz zumute ist? Hier der ganze 
Mensch des geistigen Schweizers, und ich finde, dieser Typus Mensch 
gehört zu den besten Europas, zu denen des kommenden, ethischen Menschen: 
„Warum ist mir zum vollen Mahl getischt, 
Umwölbt von Frieden wie von einem Schild? — 
Und du, den ich nicht kenne, ferner Bruder, 
Nein: naher Bruder, nächstes Ebenbild, 
Vielleicht, dass du in Dornenbüschen kauerst 
Und andre Brüder lauern, wie du lauerst, 
Und pirschen dich hinweg wie schädlich Wild. 
Und andre bangen auf den Lagerplätzen, 
Schaufeln in Sappen, schleppen Munition,
	        
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