Full text: Zeit-Echo (3(1917), August-September)

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Wie Furchtbares dieses Volk sich gefallen lassen muß, sah ich am 
schauerlichsten an einem auf sogenannte „Tiefe“ abgestellten literarischen 
Unterhaltungsaufsatz der „Frankfurter Zeitung“, dessen Verfasser straflos 
sagen durfte: „Das Drama der Zukunft wird nicht ethisch, sondern meta 
physisch betont sein.“ So meint also dieser Mann und Seinesgleichen, mit 
der bloßen Feststellung des Totschlages an einem Menschen alle geistigen 
Verpflichtungen erfüllt zu haben. Und er meint, wenn er Welt, Gott, 
Leben sagt, so sei das etwas anderes als das ethische Ziel des Menschen. 
Dieses Bureaubeamtentum des Geistes ist jene Denkart, jene menschen 
ferne Lässigkeit, jene ethische Passivität, die nicht nur den Krieg möglich 
werden ließ, sondern die das Innere des Krieges selbst ist. 
Aber die wahren Führer? die Geistigen? Von den Alteren, den ruhm 
voll, hoffnungsheimlich genannten ist zu sprechen, von denen, deren Name 
ihnen selbst die größte Verantwortung auferlegt. Im vierten Kriegsjahr, 
im Jahr 1 917, veröffentlichte der freiheitliche Dichter der neuen Deutschen, 
Heinrich tfflann, einen Roman (Verlag Kurt Wolff in Leipzig) „ftie Firmen“. 
Und sein vollkommenes Gegenstück, der Seher, in deutscher Verssprache, 
clief an Qeorge, eine Dichtung (Verlag Georg Bondi in Berlin) ,, c Der Hrietf*. 
Heinrich Mann hat durch ganz hoch gefaßte und ganz geistig fordernd 
ausgedrückte Aufsätze (die seine nur gesellschaftschildernden Dramen und 
Romane psychologisch-imitatorischer Art weit überragen) den Versuch zu 
einer geistigen Umwälzung des denkenden Bürgertums gemacht. Stefan 
George war bis zum Kriege strengster Ablehner der zivilisatorischen Roheit 
dieser Zeit und Verkünder eines außerzeitlichen, religiösen Gemeinschafts 
zieles. (Wenn man aber nicht nur die behaupteten Begriffe liest, sondern 
den wirklichen Körper der Georgeschen Verse selbst anschaut, so findet 
man, daß die von ihm erstrebte Gemeinsamkeit gar nichts Zukünftiges 
war, sondern nur die intuitiv sublimierte, dichterisch geformte Darstellung 
des gegenwärtigen Disziplinschrittes.) 
Heinrich Manns Buch von den „Armen“ soll der Roman vom Kampfe 
des Sozialismus sein. Irgendwie also ein Buch der Freiheit. Georges „Krieg“ 
soll auf die menschliche Wurzel des Krieges führen und aus ihr in die 
Zukunft der Welt sehen. Also irgendwie eine Prophetie vom Menschen. 
Der — essaystische — Freiheitsfreund und Demokrat Mann schreibt 
einen Roman zum Kampfe zwischen dem proletarischen Denken und dem 
Großkapitalismus. Die Hauptperson ist ein junger sozialistischer Arbeiter, 
An einer Dialogstelle heißt es sogar: „Geradezu ein Anarchist“. „Das bin 
ich!“ antwortet darauf der Held Heinrich Manns. Was stellt sich der
	        
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