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Kein Mitleid. Nach dem Blutbad bleibt uns die Hoff 
nung auf eine geläuterte Menschheit. 
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Ich spreche immer von mir, da ich nicht über 
zeugen will, ich habe kein Recht, andere in meinen 
Strom mitzureißen, ich verpflichte niemanden, mir zu 
folgen, jeder macht seine Kunst auf seine Art, wenn 
er die Freude kennt, die zu Pfeilen zu den Astral 
schichten steigt oder die, die in den Schächten von 
Kädaverblumen und fruchtbaren Spasmen taucht. 
Stalaktyten: die überall suchen, in den schmerzge 
weiteten Krippen mit weißen Augen wie die Hasen 
der E ngel. ' 
So entstand Dada *) aus einem Bedürfnis von 
Unabhängigkeit, des Mißtrauens gegen die Gemein 
samkeit. Die zu uns gehören, behalten ihre Freiheit. 
Wir anerkennen keine Theorie. Wir haben genug von 
den kubistischen und futuristischen Akademien : Labo 
ratorien für formale Gedanken. Macht man Kunst, 
um Geld zu verdienen und die netten Bürger zu 
streicheln? Die Reime klingen von der Assonanz 
der Münzen, und die Inflexion gleitet die Linie des 
Bauchprofils entlang. Alle Künstlergruppen haben, 
auf verschiedenen Kometen reitend, auf dieser Bank 
geendet. 
Hier, in der fetten Erde, werfen wir Anker. Hier 
haben wir das Recht zu proklamieren, denn wir haben 
die Schauer und das Erwachen kennen gelernt. Von 
Energie trunkene Gespenster bohren wir den Drei- 
*) 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich.
	        

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