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wüßten sie nichts, sammeln sich auf dem Kaiser-Frie- 
drich-Platz. Heil! Heil! Der Himmel zerbarst und 
die Flöte zerbrach, noch ist nicht aller Nächte Morgen, 
noch ist nicht das Aequinoctium des Reisebureaus.“ 
Der Herr neben mir sagte: Sie dürfen nicht glauben, 
daß hinter dem Dadaismus der geringste Sinn steht. 
Diese Menschen sind sehr schlaue Betrüger, die sehr 
wohl wissen, daß der Unsinn die Leute anlockt, und 
die ihnen auf diese gerissene Weise das Geld aus der 
Tasche ziehen. Sehen Sie doch nur, der Kerl lacht 
ja selbst, daß ihm die Tränen aus den Augen kom 
men.“ Jetzt entrüstete sich eine junge Dame. „Er 
lacht nicht“, fistelte ihr Stimmlein, „das ist ehr 
liche Begeisterung. Ich habe die Dadaisten in Dres 
den gesehen, als man Stühle auf ihnen zerhieb und 
Pianos nach ihrem Kopf abschoß. Dada sein, heißt 
tapfer sein.“ Der Priester in seinen violetten Unter 
hosen begann, sich auf dem Boden herumzuwälzen. 
Ein Trottoir roulant kam mit der Primadonna vom 
Métropolitain Opera-house, die auf ihren eigenen 
Beinen den Ragtime „Le délice“ zu pfeifen wußte, — 
man konnte es kaum ohne Erröten und Rührung mit 
ansehen. Die Seekühe kamen ganz nahe heran, als 
wollten sie aus der Hand fressen, und die ungeheu 
ren grünen Lazerten, die an den Decken zwischen den 
Phiolen und Retorten hingen, begannen sich wie Ven 
tilatoren zu drehen. Es war jene Treibhausluft und 
Ventriloque-Stimmung, von der Capasses in seinem 
berühmten Roman „Chevilles“ so manches bedeutende 
Wort sagt. Ohne, daß ich es bemerkte, war Geheim-
	        

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