Full text: Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917 (1)

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Schon sprengt er mit Blitzen den wuchtigen Wall, 
Und Wolken, wie Linnen, vom Sturme zerknittert, 
Entwuchten dem Luftbau und donnern beim Fall. 
Dabei aber werden die Riesen zertreten, 
Die Nebel verschwinden, vom Winde zerstreut, 
Die Wolken jedoch, die den Oeta umwehten, 
Umstarren die Urkraft, die Ruhe gebeut. 
Nun haben die letzten Giganten verschnauft, 
Die Stürme läßt Jupiter hurtig entwischen, 
Sich selbst aber zeigt er als riesiges Haupt, 
Das Blitze wie Adern im Zorne, durchzischen. 
Die Herrschaft der Stolzen ist wiedergekommen. 
Die Macht der Olympier ist herrlich erglommen. 
Sie zeigt ihre heitre und sonnige Pracht: 
Höre drum Mensch, Pan ist erwacht! 
Es hat unsre Seele die Freiheit errungen, 
Sie lebt ohne Zweifel und sucht keinen Zweck, 
Es hält uns kein Wahnwitz mehr grausam umschlungen, 
Der Spuk hat für uns keinen weiteren Schreck. 
Es sind unsere Götter vergnügt und zufrieden 
Sie spenden wie Sterne ihr blühendes Sein. 
Wir alle entfalten uns frei und verschieden 
Und können uns fremdesten Gottheiten weihn. 
Die Eigenart schaffe allein die Belebung: 
Die Sondergestalt, die sich selber bewacht, 
Behauptet ihr Dasein in dumpfer Umgebung: 
Höre drum, Mensch, Pan ist erwacht! 
Der Wahnwitz der Gleichheit, in der man verschwindet, 
Ward einzig von Feinden des Lebens erdacht. 
Das Ich ist die Kraft, die den Tod überwindet: 
Höre drum, Mensch, Pan ist erwacht!«
	        
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