Full text: Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917 (1)

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Nun sucht eine Geierschar Orpheus die Leier, 
Voll Gier, zu entreißen. Der Wesensbefreier 
Jedoch hat sich wieder vom Boden erhoben, 
Um Freunde und Feinde unsäglich zu loben: 
Es schmeicheln sich Tiger vertraulich heran, 
Und Pfaue umschwärmen den sehenden Mann. 
Nun singt er: »Es haben mich tausend Gewalten, 
So Feinde, wie Freunde, im Dasein erhalten, 
Es lenkten mich Böse auf fruchtbarer Bahn!« 
Da tönt es im Umkreise: »Pan!« 
Doch Orpheus singt weiter: »Ihr treuen Helennen, 
Ihr sollt Euch das orphische Völkervolk nennen! 
Doch ändert sich bald der Geschlechter Gehaben. 
Mein Lied aber wird keine Zukunft begraben. 
Ich sehe ihm allerhand Fremdlinge nahn. 
Der orphische Sang ist ein weltweiser Schwan.« 
Da tönt es im Abendwald: »Pan!« 
Und Orpheus fährt fort: »Alle späteren Rassen 
Beginnen von heute an Wurzel zu fassen, 
Was kommen wird, stamme vom orphischen Tage, 
An dem ich zu sterben und Ich zu sein wage. 
Drum müßt Ihr mich jetzt noch dem Martertod weihn, 
Sonst wäret Ihr nimmer vom Vatermord rein. 
Denn würde, schon morgen, von orphischen Sprossen 
Das Blut meines Leibes, auf Erden, vergossen, 
So wäre die Menschheit für immer verflucht, 
Und ich habe Unschuld zu hegen versucht!«
	        
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