Full text: Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917 (1)

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Der Direktor drückte auf einen Klingelknopf. Gewiß geht es. Ein 
ganz harmloser Idiot, ein Mann des Friedens, des selben Friedens, den 
er vorher nicht eher gelten lassen wollte, als bis die Posaunen des 
Jüngsten Gerichts erschallten. 
Der Diener erschien. 
Den Herrn von 2004 hierher/ Wärter soll in der Nähe bleiben. 
Anfälle hat er keine — im Gegenteil/ friedfertig bis zur Absurdität. 
Machen Sie sich gar keine Hoffnung auf ein günstiges Resultat. Ich 
glaube ja, der Mann hat an der Front so Fürchterliches erlebt, daß er 
ohne die fixe Idee der puren Unmöglichkeit des Krieges gar nicht mehr 
leben könnte. Er will der schrecklichen Realität, welche er doch vor* 
her, vielleicht nicht mit Unrecht, für ein Gottesgericht hielt, nicht mehr 
ins Auge sehen. Kriegsblindheit. Ich bin ein bißchen neugierig, ob er 
Sie wiedererkennt. 
Die Tür öffnete sich, und durch den langen Saal auf unsern Tisch 
zu kam Hastenpiep. Mynona, rief er freudig und streckte mir beide 
Hände entgegen. Wie schön! Geht dir's oder bist du immer noch der 
alte Idiot? Er setzte sich neben den Direktor, mir gegenüber. 
Danke, Hastenpiep. Also Grüße von allen Deinigen. Was machst 
du hier? 
Die »Meinigen«. Ich glaube, ich muß es endgültig aufgeben, mich 
mit Irgendwem, und sei es der sogenannte beste Freund, zu verstän 
digen. Ihr scheint alle leidlich klug, seid aber Narren mit traurigen 
Halluzinationen .... nationen. 
Hastenpiep, willst du die Deinigen verleugnen? 
Im Gegenteil! Hae omnes creaturae in totum ego sum. Dem Her 
zen, wenn es ein Herz ist, steht alles gleich nah. 
Der Direktor flüsterte: ein Schuß religiösen Wahnsinns ist dabei. 
Hastenpiep horchte auf: Schon wieder dieser faule Zauber — 
»Schuß«. Ihr, meine Lieben, ihr könnt der Realität nicht ins herrliche 
Auge sehen. Infolgedessen seht ihr Fratzen. Glücklicherweise kann 
ich mich, trotzdem ich geheilt bin, in euren Zustand zurückversetzen.
	        

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