Full text: Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917 (1)

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Welt des Friedens für real und die eurige des Krieges für halluziniert 
halte. Der Krieg ist nichts als die Friedensmusik, von fern, gedämpft 
und entstellt, kakophonisch von schlechten, ja unmusikalischen Ohren 
gehört. Euer Gehör ist krank, nicht die Weltmusik/ euer Selbst ist 
pathologisch, nicht dieWelt. Krankheiten des Selbstes aber heilt nur 
das Selbst, der entmenschte eigne Wille. Und heilt dieser sich selber, 
so ist die Welt heil. Es gibt dann im Innersten nichts als Gott, nichts 
als die friedlichste Gesinnung, eine Welt voll Frieden aus sich erzeu 
gend. Aber Gott ist kein Zwang, sondern steht frei. Er steht frei. 
Schnöde Menschheit! Sie gehorcht allen möglichen subalternen, den 
fratzenhaftesten Zwängen, dem Zwang der Natur, dem Zwang des 
Herkommens — aber dem allervornehmsten Zwange, dem Zwang, 
der von Gott, von der Freiheit, der vollkommen friedfertigen Ge= 
sinnung ausgeht, wähnt sie, sich widersetzen zu können. Und diesen 
Wahnsinn nennt ihr eure Realität und bringt Hastenpiepen nach 
Ideotenruh. Hastenpiep ist der einzige normale Mensch. 
Es ist nur bedauerlich, mein Lieber, daß zwar Sie unsre kriegerische, 
nicht aber wir Ihre Welt des Friedens wahrnehmen können. All Ihre 
noch so delikate dialektische Rabulistik rettet Sie nicht, vor demVer® 
dachte mindestens, der fixen Idee, des religiösen Wahns und desHallu® 
zinierens. Ein einziger Blich in Ihre, wie Sie meinen, echte Welt ~ 
und Herr Mynona und sogar ich wären überzeugt. 
Natürlich! Man überzeugt solche Kinder, wie die Menschen sind, 
nur durch Handgreiflichkeiten. Eure verfluchte sinnlicheWahrnehmung 
hat alles Zwingende,- aber Gott, Frieden, Seligkeit, Harmonie stehen 
frei, vogelfrei, haben nichts Zwingendes,- sondern hierin kann man sich 
bis zur Handgreiflichkeit zwingend verwahrlosen und jenes Göttliche 
nicht etwa nur vermensch®, sondern verallzumenschlichen. Aber so 
ganz wohlfeilen Kaufs sollt ihr mir nicht davonkommen. Ich will euch 
schon zwingen. 
<Der Direktor bat den Wärter näher. Ich stellte mich neben den 
Wärter.)
	        
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