Full text: Der Almanach der Neuen Jugend auf das Jahr 1917 (1)

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so gut wie keine Beiträge eingelaufen. Zudem habe man den Mit* 
gliedern, die im Felde standen — und die gingen allen andern vor — 
fortlaufend Unterstützungsgelder geschickt. »Die Reserven sind auf* 
gebraucht. Die Kasse ist leer.« Es frage sich nun, ob die Mitglieder, 
die noch gesund seien und Verdienst hätten, über ihren Beitrag hinaus 
zusammensteuern wollten für die kranken und arbeitslosen Mitglieder. 
Wenn nicht, dann bleibe nur noch übrig, die seit fünfzig Jahren be= 
stehende Bauarbeiter Vereinigung samt der Krankenunterstützungs* 
kasse aufzulösen. »Sozusagen den Konkurs anzumelden.« 
Siebenhundert Augenpaare von siebenhundert dumpf schweigen 
den Menschen blickten ratlos auf den Redner. Die Frauen, deren 
Küchentöpfe leer waren, und die Frauen, deren Männer im Felde 
standen oder schon gefallen waren, hatten rotgefleckte Wangen be 
kommen. Die Eisenplatte, die seit zwei Jahren über ganz Europa lag, 
lag sichtbar auch über diesen siebenhundert in Leid und Not ver 
krampften Lasttieren. 
Ein kleiner Junge hatte das Kinderschießgewehr hinterm Klavier, 
das auf dem Podium stand, vorgezogen und zielte, den Schaft an der 
grauen Badke, hinunter auf die siebenhundert reglosen Männer und 
Frauen. Alle blickten auf das Loch des Rohrlaufes aus Weißblech. 
Und draußen standen, den Gewehrschaft an der Backe, in Schuld und 
Sünde Millionen Menschen gegenüber Millionen Menschen, die in 
Schuld und Sünde standen. 
Da tat Robert den Sprung. Es war ein ganz langsamer Sprung. Er 
ging traumwandlerisch sicher auf den Jungen zu, nahm ihm das Spiel 
zeug von der Backe weg und trat vor, bis an den Rand des Podiums. 
Und während der Redner Wasser trank und seine Abrechnungs 
listen zurechtlegte, sagte Robert: 
»Das hier ist ein Schießgewehr. Das habe ich ... ich selbst habe das 
meinem Jungen gekauft. Damit hat er gespielt. Damit hat er sich un 
merklich die Liebe aus seinem Herzen hinausgespielt. Damit hat er 
schießen gelernt. Ich habe ihm das Schießen, habe ihm das Morden
	        

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